Kulturzentrum an der Seidenstraße: Das antike Schabran VIDEO
Schabran, 27. August, AZERTAC
Das Kulturdenkmal „Antikes Schabran“ von weltweiter Bedeutung befindet sich nahe dem Dorf Schahnäsärli im Rayon Schabran auf dem Gelände des Staatlichen Historisch-Kulturreservats „Tschiraggala–Schabran“.
Historischen Quellen und den Ergebnissen archäologischer Ausgrabungen zufolge wurde die Stadt Schabran im 5. bis 6. Jahrhundert gegründet.
Die Gründung der Stadt wird mit dem Namen von Schahin Schah Chosrau I. Anuschirwan in Verbindung gebracht. Der berühmte türkische Gelehrte Mahmud Kaschgari (11. Jahrhundert) führt die Entstehung der Stadt auf die türkischen Sabir-Stämme zurück. Die Stadt bestand bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass Schabran aufgrund seiner Lage an der Großen Seidenstraße stets von großer Bedeutung als Wirtschafts-, Handels- und Kulturzentrum war.
Allmählich geriet Schabran in wirtschaftliche Schwierigkeiten und war häufig Überfällen fremder Eroberer ausgesetzt. Mitte des 18. Jahrhunderts verschwand die Stadt von der historischen Bühne.
Die seit den 1930er-Jahren durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen sowie archäologischen Ausgrabungen auf einer Fläche von mehr als 5.000 Quadratmetern ermöglichten die Bergung umfangreicher archäologischer Funde, die die materielle und geistige Kultur unseres Volkes widerspiegeln.
1980 wurden die Forschungen zur antiken Stadt Schabran wieder aufgenommen. Dabei wurde eine umfangreiche archäologische Kulturschicht entdeckt. Diese besteht im Wesentlichen aus drei Bauperioden. Die erste Bauperiode reicht vom 4. bis zum 18. Jahrhundert, die zweite vom 9. bis zum 12. Jahrhundert und die dritte vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Die Stadt Schabran lag zunächst am linken Ufer des Flusses. Ab dem 7. und 8. Jahrhundert dehnte sie sich nach Süden aus und erstreckte sich auch auf das rechte Flussufer.
An beiden Ufern des Schabran-Flusses wurden Ausgrabungen durchgeführt. Dabei kamen die Überreste verschiedener Gebäude und Produktionsstätten zum Vorschein, die aus Lehm- und gebrannten Ziegeln, Flusssteinen sowie weißen Kalksteinen errichtet worden waren.
Die Böden der meisten öffentlichen Gebäude waren mit Stein oder Ziegeln ausgelegt. In Schabran wurde erstmals in Aserbaidschan ein aus dem 9. Jahrhundert stammendes Abwassersystem entdeckt. Über spezielle Tonrohre wurde Wasser aus einer rund 14 Kilometer von der Stadt entfernten Quelle herangeführt. Bei den Ausgrabungen wurden zahlreiche glasierte und unglasierte Keramiken, Fayencegefäße, Metall- und Glasgegenstände sowie Schmuckstücke aus Gold, Silber und anderen Materialien gefunden.
Von den in historischen Quellen erwähnten zwölf Festungen der Stadt Schabran wurden zwei freigelegt. Zudem wurden ein Feuerheiligtum, eine Münzstätte, ein Gefängnis, Straßen aus dem 11. bis 14. Jahrhundert, Handwerkerviertel sowie bis zu 3.000 numismatische Funde entdeckt. Darüber hinaus kamen neue archäologische Fundstücke ans Licht, für die es in der archäologischen Fachliteratur bislang keine vergleichbaren Beispiele gibt. Ein in Schabran gefundenes Tongefäß sowie ein gebrannter Krug gelten als seltene Funde aus dem Mittelalter. Schabran war für sein Brot, seinen Reis und andere Erzeugnisse bekannt.
Nach einem Erlass von Präsident Ilham Aliyev vom 22. Oktober 2019 wurden die historischen Reservate „Tschiraggala“ und „Stadt Schabran“ zum Staatlichen Historisch-Kulturreservat „Tschiraggala–Schabran“ zusammengeführt.
Seit Juli 2026 läuft am Kulturdenkmal „Antikes Schabran“ die nächste Phase der wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Zuge der archäologischen Ausgrabungen wurden Tonrohre zur Wasserversorgung der antiken Stadt Schabran, ein seltenes Bauwerk, bei dem es sich möglicherweise um eine Zisterne oder einen Vorratsspeicher handelt, sowie weitere materielle Kulturzeugnisse entdeckt.
Die Forschungen werden mit gemeinsamer Unterstützung des Staatlichen Dienstes für Schutz, Entwicklung und Restaurierung des Kulturerbes beim Kulturministerium und des Instituts für Archäologie und Anthropologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans (ANAS) durchgeführt.