Libyer feiern Sieg über den Krauskopf-Diktator
Baku, den 3. September (AZERTAG). Frauen singen und tanzen auf den Straßen, Männer verkleiden sich als Transvestiten und verspotten Gaddafi: In Libyens Hauptstadt Tripolis haben die Menschen mit einer großen Party den Sieg über den Diktator gefeiert.
Acht Tage hat es gedauert, bis die Bewohner von Tripolis ihrem Sieg über Gaddafi wirklich trauen und zu einem großen Corso der Revolution aufbrechen, getaucht ins Rot-Grün-Schwarz der alten, neue Fahne. Die Aufarbeitung des Terror-Regimes wird noch lange dauern: Just sind Geheimdokumente entdeckt worden, die die enge Kooperation westlicher Geheimdienste mit Gaddafis Stasi belegen.
Doch an diesem Abend in Tripolis lassen die Bürger Libyens alle Probleme und Sorgen beiseite und feiern ein ausgelassenes Fest: Kaum sinkt die Sonne, geht es auf der sechsspurigen Corniche, der Küstenstraße am Mittelmeer, nur noch im Schritttempo voran.
Alles, was fahren kann in Libyens Hauptstadt, ist unterwegs: Familien in ihren Kleinwagen, aber auch scheppernde Kleinlaster, Busse und die Kämpfer in ihren „Technicals“, den obligatorischen Pick-ups mit aufmontierter Kanone. Aber die Stimmung ist anders als in den ersten Tagen, als aus allen Rohren geschossen wurde und meist nur Männer unterwegs waren .
Jetzt scheint die ganze Stadt auf den Beinen, Familien mit ihren Kindern, junge Frauen, Mütterchen in Kopftuch. Holzfurnierte Lautsprecher sind auf Dächern festgezurrt, die neue Nationalhymne wird gespielt, aber auch: Soul. Samba. Reggae! Eine ganze Stadt scheint aufs Schönste außer sich. Wildfremde umarmen sich, es wird gelacht, gesungen, skandiert, es ist die Erinnerung an das Grauen als Farce.