Mursi versucht Ägypten zu befrieden
Baku, den 27. Juni (AZERTAG). Die Lage in Ägypten ein Jahr nach Amtsantritt des Präsidenten ist heikel. Ein Mensch starb bei Straßenkämpfen, Hunderte wurden verletzt. Nun verspricht Mursi Reformen. Wenige Tage vor seinem einjährigen Amtsjubiläum hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi Reformen und einen „nationalen Dialog“ versprochen. In einer im Fernsehen übertragenen Rede warnte er vor „Lähmung und Chaos“ angesichts der Polarisierung im Land. Zugleich räumte er ein, viele Fehler gemacht zu haben. Es komme jedoch darauf an, diese Fehler zu korrigieren.
Minister und Gouverneure sollen „alle Beamten entlassen, die für die Krisen verantwortlich sind, unter denen die Bürger leiden müssen“, sagte Mursi. Jeder Gouverneur solle zudem mindestens einen Berater ernennen, der jünger als 40 Jahre alt ist.
Mursi kündigte die Einrichtung eines nationalen Versöhnungskomitees an. Ein weiteres Komitee soll über die Kritikpunkte der Opposition an der Verfassung sprechen. Das Innenministerium soll eine Spezialeinheit schaffen, die sich nur mit der Bekämpfung von Schlägertrupps und Saboteuren befasst. Um die Benzinkrise zu beenden, soll Tankstellenbesitzern, die subventioniertes Benzin zurückhalten oder schwarz verkaufen, die Lizenz entzogen werden.
Ägypten ist gespalten zwischen Mursis Anhängern und seinen Gegnern. Wenige Stunden vor der Rede hatten in der Stadt Mansura im Nildelta Unterstützer des Staatschefs für ihn demonstriert. Nach Angaben der Sicherheitskräfte kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen, als Kritiker des Präsidenten die Demonstranten mit Müll bewarfen. Bei den Unruhen wurden dem Gesundheitsministerium zufolge mindestens ein Mensch getötet und weitere 237 verletzt.
Am Sonntag jährt sich Mursis Amtsübernahme zum ersten Mal. Seine Gegner planen für den Tag Massenkundgebungen, bei denen sie Mursis Rücktritt und vorgezogene Präsidentschaftswahlen fordern wollen. Mursis Anhänger wiederum planen Kundgebungen zu seiner Unterstützung bereits am Freitag.
Die Organisatoren einer Kampagne namens Tamarod (arabisch für Rebellion) sammelten nach eigenen Angaben bereits mehr als 15 Millionen Unterschriften für eine vorgezogene Präsidentschaftswahl. Die Armee drohte in den vergangenen Tagen damit einzugreifen, sollte die Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung weiter eskalieren.