Nordkorea sprengt Amerikas diplomatische Strategie
Baku, den 13. Februrar (AZERTAG). Nordkoreas jüngster Atomtest belegt die Fortschritte des Landes in der Nukleartechnik. Die Explosion war viermal stärker als die vorherige. Zudem verfügt das Regime über Langstreckenraketen. Die USA stehen vor den Scherben ihrer Eindämmungspolitik - und müssen jetzt auf Chinas Hilfe hoffen.
Beim ersten Mal soll es eher laut gezischt denn geknallt haben: Nordkoreas erster Atomtest im Jahr 2006 wurde zwar international scharf verurteilt, aber auch belächelt. Inzwischen lacht niemand mehr. 2009 folgte ein Test mit wesentlich größerer Sprengkraft. Die dritte Bombe, die in der Nacht zum Dienstag detonierte, war abermals stärker - sie löste ein Erdbeben der Stärke 4,9 bis 5,2 aus.
Welche Sprengkraft sie genau hatte, ist unsicher. Südkoreas Verteidigungsministerium spricht von sechs bis sieben Kilotonnen TNT, was eher eine politisch motivierte Untertreibung sein dürfte. Nordkorea selbst behauptet, die Energie habe zehn Kilotonnen betragen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) hat dagegen eine Sprengkraft von 40 Kilotonnen berechnet. Zum Vergleich: Die Atombombe, mit der die Amerikaner im August 1945 Hiroshima einäscherten, kam auf etwa 13 Kilotonnen.
Vielleicht noch wichtiger als die absolute Sprengkraft ist der technische Fortschritt der Nordkoreaner. Hier sind sich die Experten bemerkenswert einig. Die jetzt getestete Bombe hatte eine rund viermal größere Sprengkraft als die vorherige. Die BGR hatte 2009 ein Erdbeben der Stärke 4,8 und jetzt eines von 5,2 gemessen. Die US-Geologiebehörde USGS berechnete Magnituden von 4,7 und 5,1, die Uno-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) 4,5 und 4,9. Alle kommen damit auf einen Anstieg von 0,4 Punkten auf der logarithmischen Magnituden-Skala - was einer Vervierfachung der eingesetzten Energie entspricht.
Damit haben die Nordkoreaner zum zweiten Mal binnen weniger Wochen beeindruckende Fortschritte bei ihrer nuklearen Bewaffnung demonstriert. Erst Mitte Dezember hatten sie einen weitgehend erfolgreichen Testflug einer Langstreckenrakete durchgeführt, die auch zum Transport von Atomwaffen taugen könnte.