Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Nordkorea testet neue Interkontinentalrakete

Nordkorea testet neue Interkontinentalrakete

Baku, 4. Juli, AZERTAC 

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete (ICBM) getestet. Die Rakete habe nach dem Start eine Höhe von 2802 Kilometern erreicht und sei 933 Kilometer weit geflogen. Das habe das nordkoreanische Staatsfernsehen vermeldet, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Machthaber Kim Jong Un habe den Start persönlich verfolgt.

Zuvor hatten bereits die südkoreanischen Streitkräfte mitgeteilt, dass das Nachbarland im Westen eine ballistische Rakete abgefeuert habe, die rund 930 Kilometer in Richtung des Japanischen Meers geflogen sei. Südkorea schließe nicht aus, dass es eine Interkontinentalrakete gewesen sein könnte, sagte Präsident Moon Jae In in Seoul bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern.

Mit dem Test einer Interkontinentalrakete wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt. Pjöngjang arbeitet seit Jahren an solchen Raketen, die auch die USA erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6000 Kilometer von Pjöngjang entfernt.

Nach Angaben Pjöngjangs handelt es sich bei der Rakete um die Hwasong-14, auch bekannt unter dem Kürzel KN-14. Dabei handelt es sich um eine neuere Variante der bereits bekannten KN-08, die bisher als Kandidatin für Nordkoreas erste funktionstüchtige Interkontinentalrakete galt.

Zwar ist die Rakete bei dem Test nur 930 Kilometer geflogen, wie die südkoreanischen Streitkräfte mitteilten. Allerdings haben die Nordkoreaner die Rakete steil nach oben geschossen. "Bei einer flacheren Flugbahn hätte die Reichweite bei 6000 Kilometern gelegen", sagt der Münchner Raketenexperte Markus Schiller. "Die Angaben aus den USA, Südkoreas und Nordkoreas stimmen darin überein." Interkontinentalraketen haben per Definition eine Reichweite von über 5500 Kilometern. "Damit sind die Nordkoreaner jetzt im Club", meint Schiller.

Die Unterschiede zwischen der KN-14 und der älteren KN-08 sind beträchtlich. Die KN-14 ist nach Einschätzung von Experten wesentlich simpler aufgebaut, dafür wahrscheinlich aber auch deutlich zuverlässiger. Gegenüber der KN-08 hat sie nur zwei statt drei Stufen, und der Behälter für den Sprengkopf - der sogenannte Wiedereintrittskörper - hat eine stumpfere Form.

Dieses Design sei leichter zu entwickeln, und es überlebt den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mit größerer Wahrscheinlichkeit, schrieb Schiller bereits im Dezember 2015 nach der ersten öffentlichen Präsentation der KN-14. "Der Nachteil ist, dass es damit weniger präzise und verwundbarer gegenüber Raketenabwehrsystemen ist."

Stumpfe Wiedereintrittskörper, so wie sie die USA und die Sowjetunion vor Jahrzehnten genutzt haben, flögen so langsam, dass sie von normalen Flugabwehrraketen abgefangen werden könnten. "Sollte Nordkorea Gefechtsköpfe einsetzen wollen, gehen sie technisch auf Nummer sicher, beschränken sich aber auf ein System, das nur gegen große, nicht verteidigte Ziele eingesetzt werden kann", so Schiller.

Beruhigend ist das nicht, denn zu solchen Zielen gehören beispielsweise Großstädte - es sei denn, die US-Regierung würde künftig Flugabwehrsysteme rund um US-Metropolen aufbauen. Die Reichweite der KN-14 könnte das nötig machen: Laut Schillers Berechnungen könnte die KN-14 einen 400-Kilogramm-Sprengkopf rund 9000 Kilometer weit befördern.

Das würde reichen, um die Metropolen an der US-Westküste wie Seattle oder San Francisco zu erreichen. Die beim jüngsten Test möglichen 6000 Kilometer könnten einen Sprengkopf bereits bis nach Anchorage in Alaska tragen. Zuletzt haben Experten zumindest nicht mehr ausgeschlossen, dass die Nordkoreaner inzwischen auch über Atomsprengköpfe verfügen, die klein genug sind, um sie auf ballistische Raketen zu montieren.

Wie leistungsfähig die jetzt getestete Rakete aber wirklich ist, lasse sich aber vermutlich erst genauer abschätzen, wenn erste Bilder und vor allem Videos vom Start verfügbar sind. Daran könnte man laut Schiller etwa erkennen, um welchen Raketentyp es sich handelt und wie viel Gewicht im Gefechtskopf untergebracht war.

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