Peking zwingt Tibeter zum fröhlichen Neujahrsfest
Baku, den 22. Februar (AZERTAG). Die chinesische Regierung will das Staatsfeiern anordnen. Doch nicht jeder Tibeter möchte mitmachen. Die Führung befürchtet jetzt Unruhen.
Die Behörden in Peking und in der sogenannten Autonomen Provinz Tibet schrieben zusammen das Drehbuch, die Umsetzung überließen sie den staatlichen Fernsehsendern. Dort wurde in monatelanger Arbeit das Konzept für ein ganz besonderes TV-Spektakel erarbeitet: eine Nonstop-Neujahrshow auf dem Dach der Welt.
Viereinhalb Stunden wurden für die Revue zum Beginn des tibetischen Jahres 2139 am Mittwoch eingeplant, Kabelkanäle strahlen sie mit tibetischen und chinesischen Untertiteln aus.
Ritueller Massentanz mit 5000 Teilnehmern: Die 35 Darbietungen der Gala starten mit dem Lied „Drache in blühender Zeit“ und enden mit dem Potpourri von der „Großen Verheißung des Glücks“, in den Kinos der tibetischen Hauptstadt Lhasa laufen neue Spielfilme an, und auch ein großes Pferderennen soll Feierlaune verbreiten, auf dem Platz vor dem Potala-Palast - einst Sitz des Dalai Lama, des geistlichen Oberhauptes der Tibeter - treten 5000 Teilnehmer zum rituellen Massentanz an, unter dem Motto „Modellreigen für ein glückliches Lhasa“.
Tibeter sollen danach die Choreografie gruppenweise überall in der Stadt nachtanzen.
Doch der organisierte Frohsinn ist Teil einer Propagandaschlacht. Das Feiern auf dem Dach der Welt hat Peking zur patriotischen Pflicht erhoben, seit Exil-Tibeter ihre Landsleute aufgerufen haben, sich dieses Jahr dem Fest zu verweigern. Sie sollten stattdessen der mehr als 20 Mönche, Nonnen und einfachen Tibetern gedenken, die sich im vergangenen Jahr aus Protest gegen die repressive Tibet-Politik Chinas selbst in Brand steckten.