Präsident Mursi trifft die geballte Wut der Opposition
Baku, den 3. Juli (AZERTAG). In Ägypten ist die Lage zum Zerreißen gespannt. Der Eingriff des Militärs droht, denn Präsident Mursi lenkt nicht ein und verärgert die Demonstranten. Am Nachmittag läuft das Ultimatum der Armee ab.
Ein politisch tief gespaltenes Ägypten fiebert dem Ablauf des Ultimatums der Armeeführung entgegen. Wenige Stunden zuvor hatte der islamistische Präsident Mohammed Mursi in einer Fernsehansprache keine Kompromissbereitschaft gezeigt. Er lehnt den von der Opposition geforderten Rücktritt weiter ab und fordert von den Streitkräften die Rücknahme der Fristsetzung.
Das Militär hatte Mursi und seinen Gegnern bis Mittwochnachmittag Zeit gegeben, einen Kompromiss zu finden. Ansonsten wollen die Streitkräfte einen eigenen Plan für die Zukunft Ägyptens vorlegen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Die Armee kündigte in der Nacht über das soziale Netzwerk Facebook an, sie kämpfe gegen die, die das Volk verängstigten. Sie werde Terroristen und Extremisten bekämpfen.
Der Konflikt zwischen den verfeindeten Lagern wird immer blutiger. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete am frühen Mittwochmorgen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Kairo von 22 Toten. Mindestens 200 Menschen seien bei Gewalttaten nach der Rede Mursis in Kairo verletzt worden.
Die Oppositionskampagne Tamarod (arabisch für Rebellion) kritisierte Mursis TV-Ansprache scharf. Der Staatschef „bedroht sein Volk“, sagte Mohammed Abdelasis in der Nacht zum Mittwoch im privaten Fernsehen. „Wir betrachten ihn nicht als Ägyptens Präsidenten.“ Auch auf dem Tahrir-Platz in Kairo reagierte die dort versammelte Menge wütend und rief „Verschwinde! Wir wollen dich nicht!“
„Ich bin der Präsident Ägyptens“ - Mursi erklärte, er sei durch demokratische Wahlen ins Amt gekommen. „An dieser Legitimierung halte ich fest“, sagte Mursi in der Nacht zum Mittwoch in einer vom Fernsehen übertragenen Rede. „Ich bin der Präsident Ägyptens, der alle Ägypter repräsentiert“, rief er. Er kündigte eine Reihe von Maßnahmen an, um sich mit seinen Gegnern zu verständigen, darunter auch eine Regierungsumbildung.
Mursi rief seine Landsleute auf, nicht die Konfrontation mit den Streitkräften zu suchen oder Gewalt anzuwenden. Er gab Fehler zu und versprach, sie zu korrigieren. Seine Rede beeindruckte seine Gegner nach Angaben von Korrespondenten überhaupt nicht. Sie forderten weiter seinen Rücktritt.
Bereits zuvor hatte Mursi die Armee über den Kurznachrichtendienst Twitter aufgefordert, „ihre Warnung zurückzunehmen“. Zugleich lehnte er „jeden Druck von innen und außen ab“.
Muslimbrüder halten zum Präsidenten - Die Muslimbrüder, denen auch Mursi bis zu seiner Wahl angehörte, hatten bereits angekündigt, sich gegen eine Entmachtung des Präsidenten zu wehren.
Mursi machte die Korruption und „Überbleibsel des alten Regimes“ von Langzeitherrscher Husni Mubarak für die Missstände im Land verantwortlich. Diese würden den Zorn der ägyptischen Jugend für ihre Ziele missbrauchen. „Diese alte kriminelle Gruppe will keine Demokratie“, warnte Mursi. Sie wolle nur „Chaos und Gewalt säen“.
Mursi war am Dienstag erneut mit Armeechef und Verteidigungsminister General Abdel Fattah al-Sisi sowie Regierungschef Hischam Kandil zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Einzelheiten der Unterredung wurden nicht bekannt.