Shell evakuiert Arbeiter von Nachbar-Bohrinsel
Baku, den 27. März (AZERTAG). Die Situation rund um das Gasleck in der Nordsee eskaliert. Nach dem Energiekonzern Total bringt jetzt auch Shell Arbeiter von einer Bohrinsel in Sicherheit. Experten befürchten, dass es Monate dauern wird, den Gas-Austritt zu stoppen.
Seit Sonntag kämpft der Energiekonzern Total mit einem Gasleck an einer Förderplattform in der Nordsee. Alle 238 Arbeiter hat das Unternehmen bereits in Sicherheit gebracht, die Plattform Elgin-PUQ ist daher zurzeit unbemannt. Jetzt hat auch Shell Arbeiter von der nahe gelegenen Shearwater-Plattform sowie der Hans-Deul-Bohrinsel abgezogen - als Vorsichtsmaßnahme, wie das Unternehmen betont.
Das Leck an Bord der Total-Plattform entstand nach bisherigen Erkenntnissen bei der Versiegelung eines Bohrlochs, das nicht mehr genügend Gas lieferte. Bei mehreren Aufklärungsflügen über die Bohrinsel wurde ein öliger Film auf dem Wasser gesichtet. Nach Angaben des britischen Energieministeriums erstreckt er sich über eine Fläche von rund 1,4 mal 11 Kilometern. Die Menge an Kohlenwasserstoffen, die den Film verursacht, schätzt das Ministerium auf 2 bis 23 Tonnen. Für die Umwelt sei ein solcher Gasaustritt weniger schädlich als der von Rohöl, hieß es.
Die ausgetretene Mischung aus Gas und Flüssigkeiten besteht zum größeren Teil aus Methan, enthält aber auch andere Kohlenwasserstoffe wie Propan und Butan. Das Gas im Elgin-Vorkommen ist zudem vergleichsweise reich an Kohlendioxid (CO2) und Schwefelwasserstoff (H2S), durch Letzteres ist das Gemisch leicht entzündlich.
„Wir haben den Strom auf der Plattform ausgeschaltet, um das Risiko, dass sich das Gas entzündet, zu minimieren“, sagte David Hainsworth, Manager für Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltfragen bei Total. Jake Molloy von der britischen Gewerkschaft RMT, die Arbeiter auf Bohrinseln vertritt, gab Augenzeugenberichte wieder: „Menschen in elf Kilometer Entfernung konnten eine Gaswolke von der Total-Bohrinsel aufsteigen sehen.“ Ingenieure hätten gesagt, dass das Gas mit großer Wahrscheinlichkeit direkt aus dem Vorkommen durch das Bohrrohr austrete.