Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea verschärfen sich weiter
Peking, 2. November, AZERTAC
Die Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea verschärfen sich angesichts fortgesetzter Raketentests des Nordens zusehends. Nordkorea feuerte am Mittwoch nach Angaben des südkoreanischen Militärs mehr als zehn Raketen unterschiedlicher Typen an der Ost- und Westküste ab. Südkorea antwortete darauf mit dem Abschuss eigener Raketen aus Kampfjets - teils ins offene Meer nördlich der Grenzlinie.
Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums begründete die Maßnahme damit, dass zuvor auch eine nordkoreanische Kurzstreckenrakete die Seegrenzlinie im Osten überquert habe. Sie soll nur rund 60 Kilometer vor der südkoreanischen Küste im Meer gelandet sein. Damit sei erstmals seit dem Ende des Koreakriegs in den 1950er-Jahren eine nordkoreanische Rakete nahe den Hoheitsgewässern Südkoreas im Meer gelandet. Auf der südkoreanischen Insel Ulleung vor der Ostküste wurde deswegen zeitweilig Luftalarm ausgelöst, der am frühen Morgen (Ortszeit) jedoch wieder aufgehoben wurde.
Pjöngjang sieht südkoreanisches Manöver als Provokation - Der Zeitpunkt der Raketenabschüsse auf beiden Seiten ist heikel. Derzeit läuft die größte Luftwaffenübung der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte seit Jahren. Nordkorea hatte beiden Ländern “rücksichtslose“ militärische Provokation vorgeworfen und angedroht, Südkorea und die USA müssten “den schrecklichsten Preis der Geschichte“ für die gemeinsame Übung zahlen.
Washington wies die Kritik aus Pjöngjang dagegen zurück. Die mehrtägigen Manöver in Südkorea seien lange vorbereitet gewesen und dienten der gemeinsamen Verteidigung, sagte dagegen ein Pentagon-Sprecher am Dienstag (Ortszeit).
Nordkoreanischer Test auch über Japan hinweg - Nordkorea hat sein Raketentestprogramm in den vergangenen Wochen trotz internationaler Verbote und anhaltender Kritik weiter fortgesetzt und in diesem Jahr bereits mehr als 50 Raketen abgefeuert. Bei den meisten Raketen handelt es sich um ballistische Raketen mit unterschiedlichen Reichweiten. Teils waren die Raketen in großer Höhe auch über das nahe Japan geflogen, bevor sie in den Pazifik einschlugen. Unter den Raketen am Mittwoch waren laut Angaben Südkoreas mindestens drei ballistische Flugkörper von kurzer Reichweite.
Uno-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung ballistischer Raketen. Diese können je nach Bauart mit einem Atomsprengkopf bestückt werden. Das autoritär geführte Land liegt wegen seines Atomwaffenprogramms schon seit Jahren mit der internationalen Gemeinschaft im Streit und ist harten Sanktionen unterworfen.