Starkes Erdbeben im fernen Osten Russlands
Baku, den 25. Mai (AZERTAG). Ein Erdbeben der Stärke 8,2 hat den fernen Osten Russlands erschüttert. Der Erdstoß war bis nach Moskau zu spüren, verletzt wurde nach ersten Behördenangaben jedoch niemand. Eine für die Region Sachalin ausgegebene Tsunami-Warnung wurde kurze Zeit später wieder aufgehoben.
Der Erdstoß war bis in die 7000 Kilometer entfernte Hauptstadt Moskau zu spüren: Ein Erdbeben der Stärke 8,2 hat am Freitag den fernen Osten Russlands erschüttert. Auch in Europa, vor allem in Rumänien, sei das Beben zu spüren gewesen, sagte Anatoli Zigankow von der staatlichen Umweltbeobachtungsbehörde Rosgidromet der Nachrichtenagentur Interfax.
„Einwohner müssen gefährdete Gebiete verlassen und sich auf höhergelegenen Boden bewegen“, erklärte die örtliche Abteilung des russischen Ministeriums für Katastrophenschutz auf der Insel Sachalin. Kurz darauf nahm es die Warnung jedoch wieder zurück. Nach ersten Behördenangaben gab es keine Verletzten.
Laut der US-Erdbebenwarte USGS hatte das Beben eine Stärke von 8,2. Das Zentrum lag in einer ungewöhnlich großen Tiefe von 600 Kilometern unter dem Boden des Ochotskischen Meeres vor der Halbinsel Kamtschatka, weshalb kaum eine Gefahr bestehe, sagte Wissenschaftler Solowjow.
Aufgrund der Tiefe sei das Beben noch in so großer Entfernung spürbar gewesen, erklärte eine Sprecherin der seismischen Messstation in Obninsk, die von der Russischen Akademie der Wissenschaften betrieben wird. Die Experten rechneten nicht mit Nachbeben.
Die Verschiebung der Pazifischen Platte - Starke Erdbeben in so außergewöhnlicher Tiefe wie das am Freitagmorgen sind nach den Erfahrungen des Seismologen Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) eher selten. „Der Bebenherd liegt außergewöhnlich tief, weit unterhalb der Erdkruste, im Erdmantel“, betonte er. Mit einer Stärke von 8,2 sei es in 605 Kilometer Tiefe unter dem Ochotskischen Meer im Nordwestpazifik abgelaufen.
Unklar ist nach den Angaben noch, ob ein direkter Zusammenhang mit Beben in 650 Kilometer Entfernung besteht. Innerhalb von zwei Tagen hatte es dort elf Beben mit Stärken zwischen 5,5 und 6,1 gegeben.
Ursache seien die Bewegungen von erdgeschichtlich alten ozeanischen Platten, die sich schnell unter andere schieben, sagte Tilmann. Aufgrund ihres Alters seien sie vergleichsweise kalt, hätten aber noch 650 bis 700 Grad. Bei dieser Temperatur könne Gestein bei einem Erdbeben noch brechen, sagte er. Verantwortlich sei die pazifische Platte, die sich mit einer Geschwindigkeit von etwa acht Zentimetern pro Jahr unter die Ochotskische-Mikroplatte schiebe.
Im März 2011 war durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 vor der japanischen Küste ein gewaltiger Tsunami ausgelöst worden, der weite Teile der Küste im Nordosten Japans zerstörte. Fast 19.000 Menschen kamen ums Leben, in dem Atomkraftwerk Fukushima kam es nach einem Ausfall der Kühlsysteme zu einer Kernschmelze.
Tsunamis sind Riesenwellen, die durch Erdbeben oder Vulkanausbrüche entstehen können. Im Gegensatz zu normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung. Die Wellen können Tausende Kilometer zurücklegen, bis zu 900 Kilometer in der Stunde. In flachen Küstengewässern kann die Flutwelle zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auflaufen und ganze Landstriche verwüsten. Bei der Tsunami-Katastrophe 2004 wurden nach einem Erdbeben vor Sumatra an den Küsten des Indischen Ozeans etwa 170.000 Menschen getötet.