Südkorea sendet Kaesong-Ultimatum an den Norden
Baku, den 25. April (AZERTAG). Südkorea will neue Verhandlungen über die Sonderwirtschaftszone Kaesong - und versucht es mit einem Ultimatum an den Norden. Bis Freitag soll sich der verfeindete Nachbar rühren, sonst drohen „ernste Konsequenzen“. In Kaesong halten sich noch immer knapp 180 Südkoreaner auf.
Seit Wochen herrscht Funkstille im Konflikt rund um das Industriegebiet Kaesong. Das Areal liegt zwar in Nordkorea, wurde aber bis vor wenigen Wochen von beiden Staaten betrieben. Nun hat die Regierung in Seoul einen neuen Anlauf gestartet, die verfahrene Situation aufzubrechen. Sie fordert den Norden zu einem Dialog auf.
„Wir bieten offizielle Gespräche zwischen Regierungsbehörden an“, sagte der Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul, Kim Hyung Seok. Ganz ohne Druck blieb dieses Angebot jedoch nicht. Sollte Pjöngjang nicht bis Freitag reagieren, müsse Seoul ernsthafte Konsequenzen ziehen, warnte der Südkoreaner Kim.
Damit könnte ein dauerhafter Rückzug aus dem Industriegebiet gemeint sein, in dem 123 südkoreanische Unternehmen normalerweise 53.000 Menschen beschäftigen. Aus Pjöngjang wird eine nicht minder scharfe Antwort auf die Drohung erwartet - bisher hat sich das Regime von Diktator Kim Jong Un jedoch nicht gerührt.
Wegen der massiven Spannungen zwischen den beiden Ländern ist der Zugang zu der Anlage seit dem 3. April gesperrt. Am 9. April zog Nordkorea zudem sämtliche Arbeitskräfte aus dem Gebiet ab, das zehn Kilometer innerhalb des nordkoreanischen Territoriums liegt. Derzeit befinden sich noch 176 der sonst 850 südkoreanischen Mitarbeiter in der Anlage.
Der Rückzug der Nordkoreaner kam überraschend, da Kaesong für den Norden eine wichtige Quelle von Devisen ist. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 war der Industriestandort daher von den Spannungen zwischen den Nachbarn kaum betroffen. Nach der Eskalation des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm scheint nun jedoch auch dieses rare Beispiel einer Kooperation der beiden Nachbarn in Gefahr.