Viele unter extremen Bedingungen
Baku, den 12. Juni (AZERTAG). „Haussklaven“ nennt sie der Bericht. Eine erschreckende Anzahl von Kindern arbeitet Tag für Tag, viele unter extremen Bedingungen. 10,5 Millionen Minderjährige werden so nach Erkenntnissen der Internationalen Arbeitsorganisation als Hausangestellte ausgebeutet.
Es sind teilweise gefährliche, manchmal sogar sklavenähnliche Bedingungen, unter denen rund 10,5 Millionen Kinder weltweit als Hausangestellte schuften. Fast drei Viertel von ihnen seien Mädchen, mehr als die Hälfte unter 15 Jahre alt, berichtet die Internationale Arbeitsorganisation ILO. Die Sonderorganisation der Uno veröffentlicht die Zahlen zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit an diesem Mittwoch in Genf.
Es handele sich um „massive Menschenrechtsverletzungen“, sagte Constance Thomas, die das ILO-Programm zur Abschaffung der Kinderarbeit leitet. Besonders schwer wiege, dass die arbeitenden Kinder meist isoliert von ihren Familien seien. Das bringe sie in eine starke Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern, berichtet die Organisation. Bei ihren Tätigkeiten seien sie extrem verwundbar für psychische, physische und sexuelle Gewalt. Die Dienste, die sie verrichten müssten, reichten von Putzen, Bügeln, Kochen, Gärtnern und Wasserholen bis hin zur Betreuung anderer Kinder und Pflebedürftige.
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, sagte, weltweit hätten 177 Staaten die Konvention zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit ratifiziert. „Aktuell sehen wir jedoch, dass Kinder weiterhin als billige Arbeitskräfte missbraucht und ausgebeutet werden“. Er nannte als Beispiel Arbeiten auf Baumwollfeldern in Usbekistan, an Nähmaschinen in Bangladesch, bei der Herstellung von Lehmziegeln in Pakistan oder der Kakaoernte an der Elfenbeinküste. Es sei erschreckend, dass weltweit insgesamt 215 Millionen Kinder Tag für Tag arbeiten müssten.
Er forderte größere Anstrengungen, um Kindern ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen. Gegen Kinderarbeit könne jeder einen kleinen Beitrag leisten, sagte Löning. Zum Beispiel könne man sich beim Kauf eines T-Shirts nach den Produktionsbedingungen erkundigen. Als „die wichtigste Ursache für Kinderarbeit“ bezeichnete er die Armut der Eltern, die weltweit bekämpft werden müsse.
Auch die Kinderhilfsorganisation World Vision rief Regierungen und Verbraucher zu größerem Einsatz gegen die Ausbeutung von Kindern auf. Allein in Asien arbeiteten fast 48 Millionen Kinder unter gefährlichen, schmutzigen und entwürdigenden Bedingungen. Sie würden auch als „unsichtbare Kinder“ bezeichnet, weil viele von ihnen weder an Schulen angemeldet noch offiziell angestellt seien.
Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hat den Aktionstag gegen Kinderarbeit 2002 ins Leben gerufen, und den 12. Juni als Datum dafür festgesetzt. Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Genf, zuständig für die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialstandards. Die weltweit geltenden Mindeststandards sollen die Rechte bei der Arbeit und damit menschenwürdige Arbeit für alle Menschen auf der Welt sicherstellen.