Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

WHO warnt vor möglicher Chikungunya-Epidemie

WHO warnt vor möglicher Chikungunya-Epidemie

Baku, 24. Juli, AZERTAC

Das Chikungunya-Virus breitet sich am Indischen Ozean aus, aber auch in Deutschland wurden zuletzt Fälle gemeldet. Nun warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer weltweiten Epidemie der Viruserkrankung. Die Krankheit sei bereits in 119 Ländern nachgewiesen worden, »wodurch 5,6 Milliarden Menschen gefährdet sind«, sagte WHO-Sprecherin Diana Rojas Alvarez: „Wir schlagen frühzeitig Alarm, damit die Länder sich rechtzeitig vorbereiten.“

2004 und 2005 war es bereits zu einer großen Epidemie in Inselstaaten des Indischen Ozeans gekommen, bei der rund eine halbe Million Menschen erkrankte. „Heute beobachtet die WHO das gleiche Muster“, sagte die Sprecherin. Das Virus breite sich am Indischen Ozean aus, aber auch in Madagaskar, Somalia und Kenia sowie in Südasien.

Gleiches gilt auch für Südchina. In der Millionenstadt Foshan in der Provinz Guangdong verzeichneten die Behörden bislang 2659 Fälle, wie das Staatsfernsehen berichtete. 53 Krankenhäuser in der Stadt mit zusammen mehr als 3600 mückengeschützten Betten wurden demnach für die Behandlung der Infektionskrankheit ausgewiesen. Die bisherigen Fälle seien alle leicht verlaufen.

Die Ausbreitung in Südchina veranlasste Peking zu einer Warnung. In der Hauptstadt hätten die Behörden gelegentlich Fälle des Virus nachgewiesen. Mit steigendem internationalem Reiseverkehr bleibe die Gefahr weiterer eingeschleppter Fälle jedoch bestehen, hieß es in einer Mitteilung. Wer vorbeugen wolle, könne Brutstätten von Mückenlarven wie Blumentöpfe entfernen oder die Mücken mit chemischen Mitteln töten, empfahl die Behörde. Zudem schütze lange Kleidung vor Stichen, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.

Auch in Europa wurden importierte Fälle gemeldet, die mit dem Ausbruch auf den Inseln im Indischen Ozean in Verbindung stehen. Italien etwa meldete bis zum 15. Juli 51 bestätigte Fälle , 50 davon seien durch Reisen ins Land gekommen. „Da diese Übertragungsmuster bereits beim Ausbruch ab 2004 zu beobachten waren, fordert die WHO dringend Maßnahmen, um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern“, sagte Rojas Alvarez.

In Deutschland wurden laut dem Robert Koch-Institut (RKI) von April bis Juni 75 Chikungunya-Fälle registriert. Sie seien aber wohl ausnahmslos mit einer Reise verbunden, so das RKI, und hätten vor allem Rückkehrer aus Mauritius, La Réunion und Sri Lanka betroffen. Zuletzt berichtete das Institut von einem Chikungunya-Fall in Frankreich nahe der deutsch-französischen Grenze, wo ein Mensch offenbar durch den Stich einer infizierten Mücke direkt infiziert wurde, also die Erkrankung nicht von einer Reise mitbrachte. Den Experten zufolge sind auch in Deutschland die Bedingungen für solche Fälle gegeben, etwa durch hohe Temperaturen und Vorkommen der Asiatischen Tigermücke, einer potenziellen Überträgerin von Chikungunya.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfahl Anfang Juli erstmals eine Reiseimpfung gegen Chikungunya.

Was ist Chikungunya? - Chikungunya ist eine durch Stechmücken übertragene Virusinfektion und tritt vorwiegend in Asien, Afrika und Amerika auf. Es löst das gleichnamige Fieber aus, das mit grippetypischen Symptomen wie hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen einhergeht. Daher auch der Name, der ursprünglich aus der Sprache der Makonde stammt, einem Bantuvolk im Südosten von Tansania. Übersetzt heißt es so viel wie „der gekrümmt Gehende“ – in Anlehnung an die Symptome.

Asymptomatische Verläufe, bei denen die Infizierten keinerlei Beschwerden bemerken, kommen häufig vor. Schwere Verläufe hingegen sind selten, treten jedoch insbesondere bei älteren oder schwer vorerkrankten Menschen auf. Laut WHO-Sprecherin Rojas Alvarez beträgt die Sterblichkeitsrate weniger als ein Prozent. Doch „bei Millionen von Fällen kann dieses eine Prozent Tausende Todesfälle bedeuten“, so Rojas Alvarez.

Das Virus tritt seit Längerem in Deutschland auf. Weil die Asiatische Tigermücke in einigen Regionen der Republik etabliert ist, ist das Risiko hoch wie nie, dass das Virus hier zum ersten Mal durch eine Mücke übertragen wird. Experten sprechen von einem autochthonen Fall. „Die Frage ist nicht, ob wir in Deutschland autochthone Fälle sehen werden, sondern wann“, sagt Renke Lühken, Leiter der Forschungsgruppe Arbovirus-Ökologie am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Er geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Menschen hoch ist, die sich auf Reisen mit Chikungunya angesteckt haben, da ein großer Teil der Infektionen symptomlos verlaufe.

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