Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Wie viel Salz ist für wen die richtige Menge?

Baku, 15. September (AZERTAG). Millionen Menschen sterben, weil sie zu viel Salz essen. Dabei ist es auch lebensnotwendig. Wie viel Salz ist für wen die richtige Menge? Was Mediziner jetzt empfehlen.

Jedes Märchen enthält ein Körnchen Weisheit. Als der König seine jüngste Tochter fragt, wie gern sie ihn habe, antwortet sie, er sei ihr lieber als das Salz. Dieser Vergleich kränkt den König so sehr, dass er befiehlt, die Prinzessin zu töten. Sie flieht und heiratet den Herrscher des Nachbarreichs.

Erst zur Hochzeit sieht sie ihren Vater wieder. Sie lässt ihm nur ungesalzene Speisen vorsetzen. Mit jedem Bissen rieselt die Erkenntnis durch seinen Kopf wie der letzte Kristall aus einem Streuer: Seine verstoßene Tochter hatte ihm ein großes Kompliment gemacht, als sie ihn mit dem Würzmittel verglich. Lieber wolle er sterben, stellte der König daraufhin fest, als weiter so fade zu essen.

Was für die Gebrüder Grimm Stoff für das Märchen „Prinzessin Mäusehaut“ war, galt jahrhundertelang als teures und begehrtes Wirtschaftsgut - gepriesen als weißes Gold. Im alten Rom bekamen Beamte und Soldaten einen Teil ihres Lohns in Salz ausbezahlt. Aus dieser Zeit ist der Begriff Sold geblieben. Unter Lebensgefahr wurde das Mineral aus Bergen geschlagen und im Mittelalter als rare Kostbarkeit quer durch Europa transportiert.

Doch aus dem weißen Gold ist ein tödliches Gift geworden - überall verfügbar, für jeden erschwinglich: 1,65 Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr an den Folgen von zu viel Salz - Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck. Zu diesem Ergebnis kommen drei internationale Forschergruppen in ihren im August veröffentlichten Studien. Bei der Untersuchung von 102 000 Menschen aus vielen Ländern der Erde fanden sie alarmierende Ergebnisse. So überschreiten 99,2 Prozent aller Menschen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene tägliche Kochsalzration von fünf Gramm. Spitzenreiter ist Kasachstan mit mehr als 15 Gramm.

Wissenschaftler sind der Ursache des Hungers nach der weißen Würze auf der Spur. Sie suchen im Gehirn nach dem Motor der Salzgier. Mit biochemischen Versuchen entschlüsseln sie die Schäden, die dadurch im Körper entstehen.

Die Folgen sehen Ärzte wie der Bluthochdruck-Spezialist Peter Trenkwalder vom Klinikum Starnberg. „Salz bindet das Wasser im Körper“, erklärt er. „Damit erhöht sich das Blutvolumen und letztlich der Blutdruck.“ Was junge, gesunde Menschen über Jahre gut verkraften, wird jedoch auf Dauer gefährlich. „Zum einen muss das Herz mehr pumpen, zum anderen schädigt die Belastung Organe und Gefäße, die nur für mäßigen Druck ausgelegt sind.“

Die mechanische Überlastung ist nicht die einzige Gefahr für die Gefäße, die vom Salz ausgeht. Im Körper löst sich die chemische Verbindung von Natrium- und Chloridionen. Natrium ist einer der wichtigsten Signalstoffe der Zellen. Ein Überschuss stört jedoch deren fein austariertes Stellwerk. Die Gefäßwände entspannen sich nicht mehr, werden dicker und steifer. In so vorgeschädigten Adern lagern sich leichter Fett und Kalk ab. Diese Plaques können Auslöser von Herzinfarkten und Schlaganfällen sein. Etwa jeder zehnte Todesfall durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht auf zu viel Salz zurück.

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