Asteroid Vesta – Wie ein riesiger Golfball mit Delle
Baku, den 17. September (AZERTAG). Die US-Raumsonde „Dawn“ liefert erstmals dreidimensionale Bilder von Vesta: Der Asteroid überrascht mit Tälern, Canyons und bis zu 25 Kilometer hohen Bergen.
Lange rätselten Planetenforscher, wie der riesige Asteroid Vesta aussehen mag. Seitdem der Bremer Astronom Heinrich Olbers ihn im Jahr 1807 entdeckte, kannten sie ihn nur als hellen Punkt zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Nun liefert die US-amerikanische Raumsonde „Dawn“ mit deutschen Kameras an Bord erstmals dreidimensionale Bilder von Vesta.
Damit ist das Rätsel gelöst: Der Asteroid sieht aus wie ein Golfball mit Delle. Ein bisschen „kartoffelig“ finden ihn die Wissenschaftler auch. Ralf Jaumann, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, hält es auch mit Mr. Spock. „Faszinierend“, sagt er mit einem Blick auf die neuen Vesta-Fotos, „diese Wahnsinnsberge!“
Die neuen Kamerabilder von Vesta zeigen aus 1300 Kilometern Höhe vor allem die Topographie des Himmelskörpers. Dass es dort weder Wasser noch Leben zu geben scheint, war absehbar. Trotzdem ist Vesta gut für Überraschungen. Wissenschaftler sehen Täler, Canyons und bis zu 25 Kilometer hohe Berge. Die gehören nun zu den höchsten, die bisher im Sonnensystem bekannt sind. Der Mars bietet mit 27 Kilometer hohen Erhebungen mehr - aber der Planet ist auch rund zehnmal größer.
Asteroiden sind Planetenforschern am liebsten, wenn sie bleiben, wo sie hingehören: in ihrem angestammten Gürtel zwischen Mars und Jupiter, an der Grenze zwischen dem inneren Sonnensystem mit der Erde und den äußeren Planeten aus Gas und Eis.
Mit rund 500 Kilometern Durchmesser zählt Vesta zu den größten bekannten Asteroiden. Die dicke Delle an einer Seite lässt ahnen, dass es schon einmal einen schweren Zusammenstoß mit einem massigen Artgenossen gab. Auch die vielen kleinen Krater auf der Oberfläche sind Einschlaglöcher.
Mit 380 Millionen Kilometern ist Vesta rund doppelt so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Der Asteroid sei trotz seiner beachtlichen Größe zu klein gewesen, um sich zu einem handfesten Planeten zu entwickeln, erläutern die Forscher. „Vesta zeigt den Anfangszustand und ist so eine Art Embryonalplanet“, sagt Jaumann.
Ursprünglich hofften die Wissenschaftler, durch Vesta mehr über die Frühzeit des Sonnensystems zu erfahren. Doch da könnte ihnen der Asteroid einen Strich durch die Rechnung machen. Nach ersten Erkenntnissen ist er wohl jünger als die erhofften 4,4 Milliarden Jahre.