China verbietet Adoptionen ins Ausland
Baku, 7. September, AZERTAC
Lange herrschte in China eine strenge Ein-Kind-Politik. Aus dieser Zeit stammt auch ein Programm, das Adoptionen ins Ausland ermöglicht. Nun allerdings soll damit Schluss sein. Peking will Adoptionen über die Landesgrenzen hinweg künftig verbieten. Das teilte die Regierung in dieser Woche mit.
Am Donnerstag erklärte die Sprecherin des Außenministeriums, Mao Ning, dass die chinesische Regierung ihre grenzüberschreitende Adoptionspolitik angepasst habe, um sie mit internationalen Entwicklungen in Einklang zu bringen. Einzige Ausnahme von dem Verbot bleibe die Adoption durch nahe Verwandte, wie etwa bei der Adoption von Stiefkindern oder Blutsverwandten, erklärte die Sprecherin. Details zu den Hintergründen blieb die Sprecherin schuldig.
Kampf gegen Geburtenknappheit - Das Verbot kommt jedoch zu einem Zeitpunkt, zu dem die Regierung in Peking darum bemüht ist, junge Paare zum Heiraten und Kinderkriegen zu bewegen. China hat eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit. Das Land kämpft mit Überalterung. Die Bevölkerungszahl ist in den vergangenen zwei Jahren gesunken, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
„Wir danken den ausländischen Regierungen und Familien, die chinesische Kinder adoptieren wollen, für ihre gute Absicht und die Liebe und Freundlichkeit, die sie gezeigt haben“, sagte Sprecherin Mao Ning.
Seit 1992, als China erstmals seine Türen für internationale Adoptionen öffnete, wurden mehr als 160.000 chinesische Kinder von Familien in aller Welt adoptiert. Laut Angaben von China’s Children International (CCI) wurden etwa 82.000 dieser Kinder, meist Mädchen, in den Vereinigten Staaten adoptiert. Dort sorgte die Ankündigung für Verunsicherung. Offen blieb zunächst nämlich, wie mit bereits begonnenen Adoptionsverfahren umgegangen werden wird.
USA will offenbar um Klarstellung bitten - Einem Bericht des britischen „Guardian“ zufolge hätten US-Diplomaten sich mit Peking in Verbindung gesetzt. In einem Telefongespräch erklärte China demnach: „Wir verstehen, dass es Hunderte von Familien gibt, die noch auf den Abschluss ihrer Adoption warten, und wir haben Verständnis für ihre Situation.“ Es werde dennoch „keine Fälle mehr bearbeiten, die nicht unter eine Ausnahmeklausel fallen“. Die amerikanische Botschaft werde das chinesische Ministerium für zivile Angelegenheiten um eine schriftliche Klarstellung bitten, teilte das US-Außenministerium dem Bericht zufolge am Donnerstag mit.
China verfolgte von 1979 bis 2015 eine rigorose Ein-Kind-Politik, um seine Bevölkerung zu reduzieren. Als Familien nur ein Kind haben durften, entschieden sich viele dafür, die männlichen Kinder zu behalten. Von ihnen wurde traditionell erwartet, dass sie die Hauptversorger ihrer Familien werden. Vor allem weibliche Nachkommen wurden zur Adoption freigegeben.