Demenz bleibt bei Millionen zu lange unentdeckt
Baku, den 13. September (AZERTAG). Demenzerkrankungen werden oft viel zu spät erkannt - dabei könnten Medikamente vielen Betroffenen das Schlimmste ersparen.
Rund 36 Millionen Menschen weltweit leiden an Alzheimer, doch rund zwei Drittel von ihnen wissen nichts davon. Das schätzen Forscher im am Dienstag veröffentlichten Welt-Alzheimer-Bericht 2011. Damit zeige sich in den vergangenen Jahren kein Fortschritt in der Diagnose der Krankheit - und dies, obwohl ein Handeln in frühen Krankheitsstadien gerade bei Alzheimer wichtig sei.
„28 Millionen Menschen mit Demenz haben noch keine Diagnose erhalten und haben daher keinen Zugang zu Behandlung, Information oder Versorgung“, stellen die Autoren des Reports fest. In den Industrieländern liege die Dunkelziffer zwischen 50 und 80 Prozent, in den Entwicklungsländern sogar bei 90 Prozent.
Die Alzheimer-Diagnose erfolge zudem meist sehr spät im Krankheitsverlauf, sagen die Forscher. Das führe zu einer substanziellen Behandlungslücke. „Die Unfähigkeit, Alzheimer rechtzeitig zu diagnostizieren, repräsentiert eine tragisch verpasste Möglichkeit, die Lebensqualität von Millionen von Menschen zu verbessern“, sagt Daisy Acosta, Direktorin der Organisation Alzheimer's Disease International (ADI).
Es ist einfach nicht wahr, dass eine frühe Diagnose keinen Sinn hat oder dass ohnehin nichts getan werden kann, betonen die Autoren des Berichtes. Es gebe bereits Maßnahmen, die vor allem in den Frühstadien der Alzheimer-Erkrankung wirksam seien und das Fortschreiten des geistigen Abbaus verlangsamen können. Das habe die umfangreiche Auswertung von Tausenden von Studien für den aktuellen Bericht ergeben. Auch eine Einweisung in ein Pflegeheim ließe sich mit solchen Behandlungen oft deutlich herauszögern.
Der Bericht nennt die Alzheimer-Krankheit eine der schwerwiegendsten sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krisen des 21. Jahrhunderts. Doch wenn die Regierungen weltweit schnell handelten und Forschungs- und Behandlungsstrategien entwickeln, könnten die Folgen dieser Krankheit für Menschen und Wirtschaften verringert werden, konstatieren die Autoren.