Die Welt ist nicht genug
Baku, den 27. Oktober (AZERTAG). Sieben Milliarden Menschen bevölkern die Erde - und alle wollen essen, trinken, einkaufen, in Wohlstand leben. Schon jetzt verbrauchen sie mehr, als der Planet langfristig bieten kann. Forscher wollen der verhängnisvollen Entwicklung mit neuen Technologien begegnen. Doch das allein reicht nicht.
Wer Jason Clay bei einem seiner Vorträge zuhört, kann es durchaus mit der Angst um die Menschheit zu tun bekommen. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir unseren Planeten im Jahr 2050 nicht mehr wiedererkennen“, sagt der Wirtschaftsexperte der Umweltorganisation WWF. Die größte Bedrohung auf der Erde ist laut Clay nicht etwa ein Atomkrieg, eine Superseuche oder die drohende Klimakatastrophe - sondern die Landwirtschaft.
„Der Verlust an Lebensräumen und die Waldzerstörung gehen zum größten Teil auf die Landwirtschaft zurück“, sagt Clay. Das mache sie nicht nur zur größten Quelle von Treibhausgasen. Sie verschlinge auch doppelt so viel Wasser wie alle anderen Aktivitäten des Menschen zusammengerechnet. „Es kostet heutzutage einen Liter Wasser, um eine Kalorie herzustellen“, rechnet Clay vor.
Ende der sechziger Jahre etwa war das noch kein größeres Problem: Als die Beatles ihre größten Hits hatten, gab es auf der Erde etwa halb so viele Menschen wie heute. Am 31. Oktober, so schätzen die Vereinten Nationen, werden es sieben Milliarden sein - und alle wollen essen, trinken, Kleidung kaufen, Kinder haben, in Wohlstand leben.
Zu Christi Geburt gab es gerade einmal 300 Millionen Menschen. Bis zum Jahr 1804 dauerte es, um die Bevölkerung um weitere 700 Millionen auf eine Milliarde Menschen wachsen zu lassen. Dann setzte die Industrialisierung ein - und die Weltbevölkerung explodierte. Für die zweite Milliarde brauchte die Menschheit nur noch 123 weitere Jahre, für die dritte 32 und die vierte 15 Jahre. Die siebte und bisher letzte kam innerhalb von nur zwölf Jahren hinzu.