Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Entfernung seneszenter Zellen verlängert Lebensdauer um 35 Prozent

Baku, 4. Februar, AZERTAC

Gegen das Altern scheint kein Kraut gewachsen: Alle Versuche, ein Jugendelixier zu finden, schlugen bisher fehl. Der Grund dafür: Altern ist ein komplexer Vorgang, an dem sowohl unser Erbgut als auch Stoffwechselprozesse beteiligt sind.

Die für uns wahrnehmbaren Symptome - Falten, weiße Haare, schlaffere Muskeln und bestimmte Wehwehchen - haben dabei ihren Ursprung auf Ebene der einzelnen Zellen. Hier einzugreifen, ist entsprechen riskant und schwierig.

Doch Forscher haben nun eine ungewöhnliche Maßnahme gegen das Altern ergriffen: Durch die Entfernung gealterter, sogenannter seneszenter Zellen, ist es US-Wissenschaftlern gelungen, die Lebensdauer von gewöhnlichen Mäusen um bis zu 35 Prozent zu verlängern - und das, ohne bislang negative gesundheitliche Nebenwirkungen beobachtet zu haben.

Sie eliminierten die Zellen, die der Körper ohnehin schon als zu alt erkannt und ruhiggestellt hat. Er verhindert, dass sich diese seneszenten Zellen weiter teilen. "Diese zelluläre Seneszenz ist ein Mechanismus gegen Krebs, spielt aber auch für das Altern und altersbedingte Krankheiten eine Rolle", erklären Darren Baker vom Mayo Clinic College of Medicine in Rochester und seine Kollegen.

Doch was, wenn diese seneszenten Zellen viele altersbedingte Symptome erst auslösen? Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass die Anreicherung solcher Zellen die Organfunktion stören und Diabetes, Nierenschwäche und Krebs fördern kann.

Baker und seine Kollegen haben daher in einem Experiment mit Mäusen untersucht, was geschieht, wenn man diese Zellen gezielt entfernt. Sie nutzten dafür zwei Mäusestämme, bei denen sich diese Zellen durch ein chemisches Präparat zerstören lassen. Die Tiere bekamen ab dem Alter von zwölf Wochen alle zwei Wochen eine Injektion mit diesem Mittel.

Und tatsächlich: Die Mäuse, bei denen die seneszenten Zellen zerstört waren, lebten im Durchschnitt zwischen 17 und 35 Prozent länger als die Kontrolltiere, wie die Forscher berichten. Die Tiere zeigten zudem weniger alterstypische Veränderungen an Nieren, Herz und Fettgewebe, entwickelten seltener einen Grauen Star und Tumore wuchsen bei ihnen langsamer.

Außerdem wirkten die von den seneszenten Zellen befreiten Mäuse fitter: Während alte Mäuse normalerweise nur noch wenig spontane Aktivität und Erkundungsverhalten zeigen, war dies bei den behandelten Mäusen nicht der Fall. Sie waren so aktiv und neugierig wie deutlich jüngere Artgenossen, wie Baker und seine Kollegen beobachteten. Dieser Effekt war unabhängig von der Ernährung und zeigte sich in beiden getesteten Mäusestämmen.

Nach Ansicht der Forscher könnten auch bei uns die seneszenten Zellen zumindest eine Mitschuld an Alterserscheinungen und einem verkürzten Leben haben. "Die sich mit dem Alter ansammelnden seneszenten Zellen wirken größtenteils negativ, sie schaden unseren Organen und Geweben und verkürzen dadurch unser Leben - und auch die gesunde, fitte Phase unseres Lebens", sagt van Deursen.

Sie zu entfernen, könnte daher seiner Meinung nach ein vielversprechender Ansatz gegen altersbedingte Krankheiten oder Schäden sein. "Da man diese Zellen offenbar ohne negative Nebenwirkungen eiminieren kann, könnten Therapien, die auf diesem Prinzip basieren, vielversprechend sein", so der Forscher.

Allerdings: Noch klappt die Entfernung der seneszenten Zellen nur bei den gentechnisch veränderten Mäusen. Ob dies auch ohne vorherige Genveränderung und beim Menschen funktioniert, muss erst noch getestet werden.

Die Suche nach chemischen Wirkstoffen, die selektiv solche seneszenten Zellen zerstören, ist bereits in Gang. Ein weiteres Problem: Bei den Mäusen scheint der Verlust dieser Zellen zwar keine Nebenwirkungen zu haben - aber ob dies auch beim Menschen gilt, ist offen.

Dennoch ist Baker durchaus optimistisch: "Der Vorteil ist, dass schon eine Eliminierung von nur 60 bis 70 Prozent dieser seneszenten Zellen signifikante therapeutische Effekte haben kann", so der Forscher. "Sollte das auf den Menschen übertragbar sein, dann könnte ein Wirkstoff schnell und effizient genügend von ihnen zerstören, um eine profunde Wirkung auf Lebensdauer und Gesundheit zu haben."

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