Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Erde droht dramatische Erwärmung

Baku, den 3. Dezebmer (AZERTAG). Zwei Grad - um mehr darf sich die Erde nicht erwärmen, zumindest ist dies das offizielle Ziel beim Uno-Klimagipfel in Doha. Doch eine neue Studie zeigt. Die Menschheit steuert auf ein Plus von fünf Grad zu. Die Folgen wären verheerend.

Normalerweise ist Christiana Figueres durchaus begeisterungsfähig. Die oberste Klimadiplomatin der Vereinten Nationen kommentiert über ihren persönlichen Twitter-Account selbst kleinste Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung mit beeindruckender Euphorie. Doch zuletzt war der Costa-Ricanerin nicht nach Jubeln zumute. Sie sehe kaum öffentliches Interesse und Unterstützung, um Regierungen zu „ambitionierten und mutigen Entscheidungen“ zu bringen, beklagte Figueres nach der ersten Woche des Klimagipfels in Katars Hauptstadt Doha.

Der Pessimismus ist begründet. Seit 2010 lautet das offizielle Verhandlungsziel, den Anstieg der globalen Temperatur bis zum Jahr 2100 auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Die kleinen Inselstaaten drängen in Doha sogar auf ein Anderthalb-Grad-Ziel. Doch Wissenschaftler sind sich sicher, dass diese Marke kaum noch einzuhalten ist.

Eine neue Studie zeigt jetzt, wie weit die Welt wirklich vom Zwei-Grad-Ziel entfernt ist: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden es fünf Grad werden“, sagt Glen Peters vom norwegischen Forschungsinstitut Cicero zu. Eine derart dramatische Erwärmung, darin sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig, hätte verheerende Konsequenzen.

Peters hat zusammen mit Corinne Le Quéré vom britischen Tyndall Centre for Climate Change und Kollegen vom Global Carbon Project berechnet, wie weit Anspruch und Wirklichkeit beim Klimaschutz auseinanderklaffen. Im Fachmagazin „Nature Climate Change“ kommen sie zu folgenden Ergebnissen:

- Zwischen 1990 und 2011 ist der globale CO2-Ausstoß um 54 Prozent gestiegen. Mit dem für 2012 prognostizierten weiteren Plus ergibt sich sogar ein Anstieg von 58 Prozent. Insgesamt bläst die Menschheit dann allein dieses Jahr 35,6 Gigatonnen (Gt) des Treibhausgases in die Luft.

- Der Anstieg lag im Durchschnitt bei 3,1 Prozent pro Jahr. 2012 waren es mit geschätzten 2,6 Prozent zwar etwas weniger, doch das lag vor allem an der Wirtschaftskrise.

- Die Emissionen folgen den extremsten der Szenarien („RCP 8.5“) aus dem kommenden Weltklimabericht, der im Jahr 2014 vorgestellt werden soll. Es dürfte in der Praxis damit deutlich mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis der weltweite CO2-Ausstoß sinkt. Das aber wäre zu spät, um auch nur theoretisch das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

- Die größten Verschmutzer sind China (28 Prozent des Gesamtausstoßes), die USA (16 Prozent), die EU (11 Prozent) und Indien (7 Prozent). In Europa ging der CO2-Ausstoß zwar im vergangenen Jahr um 1,8 und in den USA um 2,8 Prozent zurück. Dafür aber wuchs er in China um fast zehn Prozent. Allein das chinesische Plus entsprach damit in etwa dem gesamten Ausstoß Deutschlands.

Die Folgen einer Erderwärmung um fünf Grad wären fatal. Schon bei einem Temperaturanstieg um zwei Grad erwarten Forscher ein Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, einen dramatisch steigenden Meeresspiegel, Dürren sowie weltweite Migrationsströme. Bei einem Anstieg um fünf Grad könnten sich diese Effekte noch deutlich verstärken.

Die neue Auswertung zeigt deutlich, dass China eine Schlüsselrolle zukommt. Der Kurs in Peking entscheidet über die Zukunft des Weltklimas. „Es gibt starke Argumente, dass China mehr tun muss als bisher“, sagt Forscher Peters. Bisher will sich das Land aber keinesfalls zu absoluten CO2-Reduzierungen verpflichten. Sinken soll nur der CO2-Ausstoß, der für jedes einzelne Produkt anfällt. Bei der sogenannten Energieintensität der Wirtschaft ist bis 2020 ein Minus von 45 Prozent geplant.

Doch wegen des starken Wachstums der chinesischen Wirtschaft kommt bei den absoluten Emissionen immer noch ein dicker CO2-Aufschlag zusammen. Der Climate Action Tracker (CAT), ein gemeinsames Projekt von Climate Analytics, Ecofys und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, rechnet vor, dass die CO2-Emissionen des Landes von jetzt gut neun Gigatonnen CO2 pro Jahr auf rund 14 Gt im Jahr 2020 hochschnellen dürften - wenn die bisherige Selbstverpflichtung eingehalten wird. Sonst würden sogar 18 Gt zusammenkommen.

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