Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Google will Hunderte Satelliten ins All schicken

Baku, den 3. Juni (AZERTAG). Um mehr Menschen in entlegenen Weltregionen ins Internet zu bringen, geht Google in die Luft- Der US-Konzern will Hunderte Satelliten ins All schießen - und diese besonders tief fliegen lassen.

Google will offenbar mehr als eine Milliarde US-Dollar in eine Satellitenflotte investieren, um unerschlossene Erdregionen an das Internet anzubinden. Das Projekt soll zunächst mit 180 kleinen, leistungsstarken Satelliten starten, wie mit der Sache vertraute Personen berichten. Die Zahl könnte dann ausgebaut werden.

Google setze darauf, die finanziellen und technischen Probleme, welche die bisherigen Bemühungen durchkreuzt haben, endlich zu überwinden. Die Flugkörper sollen die Erde auf Umlaufbahnen umkreisen, die niedriger als bei herkömmlichen Satelliten sind.

Die Projektkosten sollen zwischen rund einer Milliarde und mehr als drei Milliarden Dollar liegen, sagten die informierten Personen weiter. Die Kosten würden von der endgültigen Ausgestaltung des Netzwerkes und der Anzahl der Satelliten in der späteren Projektphase abhängen.

Internet dank Drohnen und Ballons - Basierend auf früheren Satelliten-Ventures, dürften die Kosten aber eher steigen. Das Projekt von Google ist der jüngste Versuch eines Silicon-Valley-Unternehmens, über den Ausbau des Internets das eigene Geschäft anzukurbeln.

Auch mit Drohnen und Ballons will der Suchmaschinenbetreiber entlegene Weltregionen an das Internet anbinden. Google setzt ebenso wie das soziale Netzwerk Facebook auf Internetneulinge in abgelegenen Gebieten, die Umsatz und Gewinn antreiben sollen.

Bei seinem Projekt „Loon“ hatte Google schon gasbetriebene Ballons, die in der Stratosphäre zum Einsatz kommen, auf den Weg gebracht. An den Ballons befinden sich solarbetriebene Relaisstationen.

Im April kaufte Google zudem die Firma Titan Aerospace, ein Start-up, das sich auf Drohnen für besonders große Höhen spezialisiert hat. Die Drohnen sollen lange Zeit in der Luft bleiben können und so das Internet auf diesem Wege für beinahe jedermann zugänglich machen. Das Team von Titan soll nach Aussage von Google eng mit dem Projekt „Loon“ zusammenarbeiten. Auch Facebook war an einer Übernahme von Titan Aerospace interessiert.

Schneller als Breitbandnetze - Auf seiner Internetseite wirbt Titan Aerospace damit, dass die Drohnen eine Internetgeschwindigkeit von bis zu einem Gigabit pro Sekunde durch spezielle Kommunikationssysteme gewährleisten können. Das wäre deutlich schneller als das, was die Breitbandnetze in den meisten Industrieländern zur Verfügung stellen. Laut Titan soll die Vermarktung 2015 beginnen.

Tim Farrar, Chef der Satelliten-Consulting-Firma TMF Associates, geht davon aus, dass die Google-Ballons des Projektes „Loon“ möglicherweise von den Drohnen von Titan Aerospace ersetzt werden.

Drohnen und Satelliten würden sich ergänzen, sagte Farrar weiter und wies darauf hin, dass Drohnen besser für kleinere Erdregionen und Satelliten für eine breitere Abdeckung geeignet wären.

Tim Farrar beriet schon das Unternehmen Teledesic, das in den 90er-Jahren Satelliten zum Einsatz im erdnahen Orbit für den Internetzugang bauen wollte. Auch Teledesic liebäugelte mit dem Einsatz von Drohnen, um so zusätzliche Kapazitäten für das Satellitensystem zu schaffen.

20 Milliarden Dollar Kosten? - Das ursprüngliche Projekt von Teledesic war aber mit geplanten 840 Satelliten extrem ambitioniert, die Kosten liefen aus dem Ruder. Das Neun-Milliarden-Dollar-Projekt wurde drastisch zurückgefahren. Ausschlaggebend dafür war auch, dass das ähnliche Venture Iridium Communications in den Konkurs ging.

Roger Rusch von der Beratungsfirma Telastra warnte, die Geschichte bei hochstrebenden und letztlich gescheiterten Projekten wiederhole sich. Die Kosten würden für Google höher sein, als es sich der Konzern bislang vorstellen könnte.

Rusch hält Kosten von an die 20 Milliarden Dollar für nicht unwahrscheinlich. „Das ist genau die Art von Träumerei, die wir schon gesehen haben“, sagte er weiter. Zudem müsste Google erst die Bedenken der Wettbewerbsbehörden ausräumen. Dazu gehöre auch die Abstimmung von Google mit anderen Satellitenbetreibern, damit sich die Flotten nicht gegenseitig beeinträchtigten.

Google unterhält für das Projekt ein Satelliten-Venture, das von Greg Wyler geführt wird, dem einstigen Gründer des Start-ups O3b Networks. Wyler arbeitet zusammen mit dem früheren O3b-Technikchef für Google. Zudem habe Google Ingenieure der Satellitenfirma Space Systems/Loral für das Projekt angeheuert, berichten die Informanten.

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