Herr Rossi sucht das Glück der Menschheit
Baku, den 10. Dezember (AZERTAG). Genie oder Scharlatan? Ein italienischer Forscher behauptet, er habe einen Fusionsreaktor gebaut, der die Energieprobleme der Welt endgültig lösen könnte. Doch der Tüftler weigert sich, sein Mini-Kraftwerk von unabhängigen Experten prüfen zu lassen. Ein Käufer hat sich dennoch gefunden.
Am 23. März 1989 verkündeten die Elektrochemiker Martin Fleischmann und Stanley Pons an der University of Utah in Salt Lake City eine Weltsensation: Ihnen sei es gelungen, Energie zu erzeugen, indem sie in einem Reagenzglas bei niedrigen Temperaturen Wasserstoffatome miteinander verschmelzen ließen. Diese sogenannte Kalte Kernfusion würde alle Energieprobleme der Menschheit mit einem Schlag lösen.
Dumm nur, dass kein anderer Wissenschaftler die Experimente von Fleischmann und Pons wiederholen konnte. Zudem mussten die beiden Forscher gestehen, dass sie es mit ihren Messungen nicht allzu genau genommen hatten. Fleischmann und Pons standen als Scharlatane da - und die Idee der Kalten Kernfusion war erst einmal vom Tisch.
Bis vor wenigen Monaten Andrea Rossi auf der Bildfläche erschien. Der Italiener mit Hochschulabschlüssen in Philosophie und Technischer Chemie erklärte, dass ihm der Bau eines von ihm sogenannten E-Catalyzers gelungen sei: ein Fusionskraftwerk, in dem Nickel und Wasserstoff miteinander verschmelzen und dabei Wärme erzeugen.
Um die Kernfusion in Gang zu setzen, reiche die Zufuhr einer geringen Menge an Energie aus, so Rossi. Nach einiger Zeit produziere seine Anlage genug Wärmeenergie, um den Prozess selbsttätig aufrechtzuerhalten. Die überschüssige Wärme ließe sich dann nutzen, um Gebäude zu heizen oder um Wasser für die Stromerzeugung zu verdampfen.
Wie die Kernfusion in seinem Reaktor genau funktioniert, weiß der medienscheue Rossi selber nicht. Aber dass sie funktioniert, steht für ihn außer Frage. Er habe auch schon einen Käufer für die erste Anlage gefunden.
Klimawandel, die Endlichkeit fossiler Brennstoffe, die Versorgungssicherheit: Der 61-Jährige hätte mit seinem fern des Wissenschaftsbetriebs entwickelten Fusionsreaktor die Antwort auf eine der drängendsten Fragen unserer Zeit gefunden. Mit der Anlage stünde eine nahezu unerschöpfliche, weitgehend klimaneutrale Energiequelle zur Verfügung, mit der sich Strom für wenige Cent pro Kilowattstunde produzieren ließe. Und das alles ohne radioaktive Strahlung.