Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Ilham Aliyev gibt Euronews ein Interview VIDEO

Baku, 19. Mai, AZERTAC

Am 18. Mai gab der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyev, dem Fernsehsender Euronews ein Interview.

AZERTAC präsentiert das Interview.

Korrespondentin: Herr Präsident, schön, Sie wie immer zu sehen. Mehr als 40.000 Menschen aus 182 Ländern – das ist die zweitgrößte Veranstaltung in Aserbaidschan seit der COP29. Was bedeutet die Ausrichtung des WUF13 für Aserbaidschan im Hinblick auf seine internationale Rolle bei der Gestaltung der Zukunft nachhaltiger Stadtentwicklung?

Präsident Ilham Aliyev: Für uns ist es natürlich eine große Ehre, Gastgeberland des WUF13 zu sein. 182 Länder sind hier zusammengekommen. Das ist ein guter Ausdruck des Respekts gegenüber Aserbaidschan. Und soweit ich weiß, ist die Zahl der Teilnehmer auf Rekordniveau. Das zeigt sowohl die Wichtigkeit des Themas als auch die vielfältigen internationalen Beziehungen des Gastgeberlandes.

Und natürlich ist es für uns zugleich eine Gelegenheit, dem Publikum und der internationalen Gemeinschaft zu berichten, was bisher getan wurde, welche Pläne wir haben, und gleichzeitig von unseren Partnern zu lernen. Denn das Niveau der Beteiligung und die Zahl der Staats- und Regierungschefs zeigen, dass Stadtplanung heute wirklich ein Thema ist, über das viele führende Politiker nachdenken. Und wie ich bereits in meiner Rede sagte: Die Bewahrung des historischen und architektonischen Erbes sowie die Notwendigkeit der Modernisierung unserer Städte müssen Hand in Hand gehen.

Korrespondentin: Offensichtlich hat Aserbaidschan Smart-City- und Grünenergieprojekte in Garabagh sowie Ost-Sangesur vorgestellt – beide Regionen im Wiederaufbau nach einem Konflikt. Wie können diese Projekte Ihrer Ansicht nach zur globalen urbanen Innovation beitragen? Was können andere von Ihnen lernen?

Präsident Ilham Aliyev: Ich denke, dass wir inzwischen eine einzigartige Erfahrung darin entwickelt haben, wie man Städte und Dörfer praktisch von Grund auf neu errichtet. Leider war dies aufgrund der großflächigen Zerstörung der ehemals besetzten Gebiete notwendig.

Der schrittweise Ansatz und in einigen Fällen die parallele Umsetzung verschiedener Entwicklungsrichtungen haben dazu geführt, dass innerhalb von fünf Jahren bereits 85.000 Menschen zurückgekehrt sind.

Elektrizität steht an erster Stelle. Bislang haben wir bereits 307 Megawatt Wasserkraft in Betrieb genommen, und weitere 340 Megawatt Solarenergie befinden sich derzeit im Bau. Das wird nicht nur für Garabagh und Ost-Sangesur ausreichen, sondern für ein deutlich größeres Gebiet. Außerdem wurde die Anbindung des Stromnetzes an das gesamte Land organisiert. Es wurden 75 Kilometer Tunnel gebaut, von denen bereits 70 Kilometer in Betrieb genommen wurden. Von 500 Brücken sind bereits 435 fertiggestellt.

Eisenbahnen, Schulen, Krankenhäuser – all das wird parallel umgesetzt. Während wir in den ersten Jahren des Wiederaufbaus hauptsächlich in Infrastruktur investiert haben, investieren wir nun verstärkt in Wohnungsbau. Stadtpläne, Smart-City- und Smart-Village-Konzepte sowie Entwicklungspläne für jedes Dorf werden derzeit umgesetzt. Für Länder, die ähnliche Probleme erlebt haben wie wir, könnte dies ein Modell für den Wiederaufbau sein.

Korrespondentin: Sozusagen ein Modell für die Welt, dem andere folgen können – was beeindruckend ist. Aserbaidschan ist heute zu einem der Länder geworden, die einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit Europas leisten.

Wie sehen Sie die zukünftige Rolle Aserbaidschans, während Europa seine Energieversorgung diversifiziert?

Präsident Ilham Aliyev: Wir haben unsere Zusammenarbeit mit Europa im Energiebereich bereits vor einiger Zeit begonnen. Besonders beschleunigt wurde dieser Prozess nach 2020, als wir den Südlichen Gaskorridor in Betrieb nahmen, der heute Erdgas an 16 Länder liefert. Gemessen an der Zahl der Länder, die wir per Pipeline mit Gas versorgen, stehen wir weltweit an erster Stelle. Und diese Zahl wächst weiter.

Zehn Mitgliedstaaten der Europäischen Union gehören zu unseren Kunden. Insgesamt erhalten zwölf europäische Länder aserbaidschanisches Gas. Die Zahl der Partnerländer wächst, ebenso wie die Anfragen nach einer Zusammenarbeit.

Glücklicherweise haben wir unsere Hausaufgaben im Bereich der Pipeline-Infrastruktur sowie bei der Förderung gemacht. Die Produktionsmenge steigt nun an. Sehr wahrscheinlich werden wir Anfang nächsten Monats über den Beginn der Gasförderung aus einem neuen Feld berichten können.

Das ist eine klassische Win-win-Situation. Wir brauchen einen Premiummarkt – und das ist Europa. Europa wiederum braucht eine alternative Bezugsquelle, und das ist Aserbaidschan. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Europäischen Kommission eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit aufgebaut.

Korrespondentin: Vielen Dank. Sie haben sich stets stark für Diplomatie und Stabilität in der Region und darüber hinaus eingesetzt. Die Hormus-Krise wirkt sich derzeit auf regionale und globale Wirtschaften aus. Wie geht Aserbaidschan damit um?

Präsident Ilham Aliyev: Wir sind hinsichtlich der Lieferketten von dieser Krise nicht betroffen, denn unsere Politik der Diversifizierung von Energiequellen und Transportwegen ist keine Politik von heute. Seit vielen Jahren verfolgen wir diesen Kurs und haben es gemeinsam mit unseren Partnern und Nachbarstaaten geschafft, eine diversifizierte Lieferkette aufzubauen – sei es für Öl, Gas, Strom oder Konnektivität.

Was derzeit im Nahen Osten passiert, wirkt sich auf alle aus. Manche denken vielleicht, hohe Ölpreise seien vorteilhaft. Ja, das stimmt. Gleichzeitig investieren ölreiche Länder jedoch in Staatsanleihen und Aktienmärkte. Wenn dort Turbulenzen entstehen, fallen die Börsenkurse. Das bedeutet: Wir verlieren Geld bei unseren Investitionen, auch wenn wir etwas mehr durch höhere Ölpreise verdienen. Jeder ist davon betroffen.

Was jedoch unsere eigenen Energieprojekte betrifft, befinden wir uns auf der sicheren Seite. Und wie Sie erwähnt haben, setzen wir uns stets für Diplomatie ein. Ohne Diplomatie hätten wir unsere Ressourcen niemals auf die internationalen Märkte bringen können. Wir mussten durch verschiedene Länder arbeiten, gute Beziehungen zu Nachbarn und den Nachbarn unserer Nachbarn aufbauen, multilaterale Kooperationsformate etablieren und eine Win-win-Situation zwischen Produzenten, Transitländern und Verbrauchern schaffen, sodass alle die Regeln respektieren und profitieren.

In diesem Zusammenhang denke ich, dass die Erfahrungen Aserbaidschans nützlich sein können. Nach der Lösung der Krise – hoffentlich eher früher als später – wird wahrscheinlich eine neue Situation entstehen. Viele Länder werden ihre Energiepolitik und die Wege des Energietransports überdenken. Und höchstwahrscheinlich werden die geografische Lage Aserbaidschans und seine bereits vorhandenen Kapazitäten dann noch stärker gefragt sein als heute.

Korrespondentin: Herr Präsident, es ist wie immer eine Freude, mit Ihnen zu sprechen.

Präsident Ilham Aliyev: Vielen Dank. Schön, Sie wieder in Aserbaidschan zu sehen.

Korrespondentin: Es ist immer schön, zurückzukehren. Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft.

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