Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

„Iris“ späht gefährliche Sonnenwinde aus

Baku, den 28. Juni (AZERTAG). Nasa-Späher „Iris“ hat sein Ziel im Erdorbit erreicht. Der Satellit soll die Sonnenwinde erforschen, die nicht nur für schöne Polarlichter sorgen, sondern auch die technisierte Zivilisation bedrohen.

Mit einer ungewöhnlichen Startprozedur hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa ihren Satelliten „Iris“ erfolgreich ins All befördert. An Bord eines Flugzeugs wurde die „Pegasus“-Trägerrakete mit „Iris“ vom Luftwaffenstützpunktes Vandenberg in Kalifornien in die Luft gebracht.

Etwa 160 Kilometer von der Küste entfernt in knapp 12.000 Metern Höhe wurde die Rakete abgekoppelt und gezündet. Nach einem 13-minütigen Flug erreichte der Satellit schließlich seine Umlaufbahn.

Die 2,1 Meter lange und 180 Kilogramm schwere „Iris“ soll aus dem Orbit mit einem Ultraviolett-Teleskop neue Erkenntnisse über die Sonne liefern. Damit soll unter anderem das Weltraumwetter mit den Sonnenwinden besser vorhergesagt werden können, die die Funktion von Kommunikationssystemen auf der Erde beeinträchtigen können.

Der Sonnen-Satelliten soll zudem klären, warum die Korona der Sonne bis zu zehn Millionen Grad heiß werden kann, während auf der Oberfläche der Sonne „nur“ Temperaturen von rund 6000 Grad herrschen. Gemessen an anderen Nasa-Projekten ist „Iris“ mit Kosten von 182 Millionen Dollar eine äußerst günstige Mission.

Hochauflösende Fotos im Sekundentakt - Das Teleskop kann im Sekundentakt hochauflösende Fotos der bislang kaum erforschten tiefen Atmosphäre der Sonne machen, die zwischen der Oberfläche und der Korona liegt. Die Korona, deren Strahlenkranz charakteristisch ist, breitet sich über mehrere Millionen Kilometer aus.

In der tieferen Atmosphäre dahinter entstehen die UV-Strahlen der Sonne, die sich auf das Klima der Erde auswirken. Außerdem ist die Region Ursprung der Sonnenwinde aus geladenen Teilchen.

Von der auf mindestens zwei Jahre ausgelegten Mission erhoffen sich die Nasa-Forscher auch Aufschluss über die Frage, wie die Sonnenwinde entstehen. Außerdem sollen die Zeitpunkte, an denen Sonnenwinde auf die Erde zusteuern, besser vorhergesagt werden können.

Denn Sonnenwinde können gefährliche Konsequenzen haben: Sie können Stromnetze überlasten und zusammenbrechen lassen, Kommunikations- und Navigations-Satelliten außer Gefecht setzten sowie Astronauten und Flugpersonal gefährden.

Sonnenstürme sind eine Bedrohung - Experten warnen schon lange, dass Sonnenstürme eine gravierende Gefahr für unsere technologieabhängige Gesellschaft sind. Die Zivilisation sei schlecht auf diese Bedrohung vorbereitet.

Sonnenstürme hat es in der Erdgeschichte immer schon gegeben, aber erst die zunehmend technisierte Zivilisation wird anfällig dafür. Schäden durch Sonnenausbrüche sind schon von Beginn des elektrischen Zeitalters an belegt. Ein besonders starker Sonnensturm hatte etwa im September 1859 die gerade eingeführten Telegrafenleitungen unterbrochen, Feuer in Telegrafenstationen entfacht und Polarlichter erzeugt, die noch in Rom und Havanna sichtbar waren.

Heute drohten schlimmere Folgen. So lege eine Studie des britischen Strom- und Gasversorgers UK National Grid nahe, dass ein derartiges Ereignis heute manche Regionen für mehrere Monate von der Stromversorgung abschneiden könne.

Wenn spektakuläre Polarlichter entstehen - Die koronaren Massenauswürfe der Sonne haben aber auch eine ästhetische Seite: die spektakulären Polarlichter. Das Naturphänomen entsteht, wenn die Erde von der Sonne mit elektrisch geladenen Teilchen bombardiert wird. In jeder Sekunde schleudert die Sonne eine Million Tonnen elektrisch geladener Teilchen ins All, die das gesamte Sonnensystem durchfluten.

Dieser größtenteils aus Elektronen und Protonen bestehende Sonnenwind trifft mit Geschwindigkeiten bis zu 750 Kilometer in der Sekunde auf die Erde. Das energiereiche Partikel-Bombardement würde unseren Heimatplaneten tödlich verstrahlen, besäße er mit seinem Magnetfeld nicht einen unsichtbaren Käfig.

Das Erdmagnetfeld wirkt wie ein schützender Kokon, der die gefährliche Teilchenstrahlung um die Erde herumlenkt. Immer wieder jedoch überwinden geladene Partikel aus dem Sonnenwind den magnetischen Schutzschild.

In der Regel sind es Elektronen, die an den Feldlinien des Erdmagnetfeldes entlang wandern, in den Polregionen in die Ionosphäre vordringen und dort die typischen Polarlichter auslösen.

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