Korallen-Embryonen klonen sich selbst
Baku, den 3. März (AZERTAG). Korallen sind erstaunlich widerstandsfähig - das gilt sogar für die Embryonen der Meerestiere. Werden sie in stürmischer See zerfetzt, bedeutet das keineswegs ihren Tod. Die Bruchstücke kopieren sich einfach selbst und wachsen weiter.
Stürmische See bekommt Korallen gar nicht gut. Selbst die Kalkskelette ausgewachsener Exemplare können zerbrechen, und Embryonen sind noch gefährdeter. Jetzt aber haben Forscher eine erstaunliche Überlebensstrategie des Meerestier-Nachwuchses entdeckt: Werden die Embryonen auseinandergerissen, könne die einzelnen, genetisch identischen Stücke später trotzdem zu Larven heranwachsen, sich dann festsetzen und zu ausgewachsenen Korallen entwickeln.
Korallen gehören zu den Nesseltieren. Sie vermehren sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich. Bei der ungeschlechtlichen Vermehrung wächst aus einem Korallenpolyp ein kleiner Anhang heraus, der dann einen neuen Polyp bildet - die Koralle teilt sich im Grunde genommen selbst. Brechen Teilstücke von einem Riff ab, können die sie unter günstigen Bedingungen wieder am Meeresboden anwachsen und zu einem neuen Korallenstock werden. Auch dies ist eine Art der ungeschlechtlichen Vermehrung.
Bei der geschlechtlichen Vermehrung hingegen werden die Eizellen der Korallen von Spermien befruchtet. Die jungen Embryonen treiben dann im Meerwasser und werden von der Strömung fortgetragen. Auf diese Weise können die Korallen sich auch über weite Entfernungen hinweg ausbreiten und an anderer Stelle ein neues Korallenriff bilden. Ein berühmtes Naturschauspiel ist die Massenvermehrung am australischen Great Barrier Reef, wenn zu Beginn des Frühjahrs in einer oder wenigen Nächten massenhaft Spermien- und Eizellen ins Wasser gegeben werden und die Korallenblüte einsetzt.
Da aber die Embryonen - anders als andere vielzellige Tiere - nicht von einer Kapsel oder einer umgebenden Membran geschützt sind, werden sie durch Turbulenzen im Wasser leicht in ihre Einzelteile zerrissen. Dies beobachteten Andrew Heyward und Andrew Negir vom Australian Institute of Marine Science zunächst im Labor, wenn sie in einem Behälter mit Korallenlarven rührten oder belüfteten. Die Forscher vermuteten, dass das Gleiche auch in der Natur passiert. Denn nicht selten ist zum Beispiel die See in den Nächten der Massenvermehrung unruhig, ergaben ihre Nachforschungen. Windstärken von elf Knoten und Wellen treten dann regelmäßig auf.