Schimpansen suchen gezielt nach Früchten
Baku, den 11. April (AZERTAG). Schimpansen leben im Regenwald. Da wundert es fast nicht, dass sich die intelligenten Menschenaffen offenbar mit Botanik auskennen. Ihr Wissen nutzen sie, um im Urwald gezielt nach frischen Früchten zu suchen, berichtet ein Forscherteam des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie im Fachmagazin „Animal Cognition“.
Im Tai-Nationalpark in der westafrikanischen Elfenbeinküste zeichneten die Wissenschaftler die prüfenden Blicke der Schimpansen in Baumkronen auf. Für ihre Analyse verwendeten sie nur Aufnahmen, bei denen die Menschenaffen in die Bäume geschaut hatten, ohne Früchte zu finden. Damit konnten sie ausschließen, dass duftende Früchte den Blick der Affen nach oben lenkten. Sie fanden heraus, dass die Schimpansen die Bäume in der Erwartung inspizierten, dort bald Früchte zu finden.
Als Bäume dann zeitgleich Früchte trugen, konnten die Forscher vorhersagen, welche Bäume die Tiere auswählen würden, um reife Leckereien zu finden. Ihre Schlussfolgerung: Schimpansen wissen, dass bestimmte Bäume zeitgleich Früchte tragen - und sie nutzen dieses Wissen bei der Nahrungssuche.
Dabei kombinieren sie offenbar verschiedene Fertigkeiten: botanische Kenntnisse, das Kategorisieren von Obstsorten und das räumliche Gedächtnis - um die passenden Bäume auch wiederzufinden.
„Unsere Ergebnisse zeigen, welche Vielfalt an Strategien unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, bei der Nahrungssuche anwenden“, sagt der Leiter der Abteilung Primatologie, Christophe Boesch. „Darüber hinaus beleuchten sie auch die evolutionären Ursprünge der menschlichen Fähigkeit des Kategorisierens und abstrakten Denkens.“
Bereits frühere Studien hatten gezeigt, wie ähnlich Schimpansen dem Menschen im Sozialverhalten und Lernen sind. So schauen sie sich beispielsweise an, wie ihre Artgenossen Werkzeuge benutzen und kopieren die Techniken, um schneller an Futter zu kommen.