Sogar im Wald haben uns Kameras im Blick
Baku, den 14. Mai (AZERTAG). Ob Spycams, Mini-Linsen oder Dashcams - neuartige Linsen und miniaturisierte Elektronik machen es möglich. Auch abseits offizieller Überwachungsanlagen wird man abgelichtet oder sogar ausspioniert.
Wer die Kamera Memoto mit sich herumträgt, nimmt nicht nur ein drittes Auge mit, das zusätzlich erfasst, was um einen herum passiert, sondern auch ein fotografisches Gedächtnis. Alle 30 Sekunden schießt die winzige Kamera ein Foto, ganz automatisch, unabhängig vom Geschehen.
So können Nutzer ihr Alltagsleben fast lückenlos aufzeichnen. Technisch ist die Kamera dafür gut gerüstet. Da sie in einem flachen, nur 3,6 mal 3,3 Zentimeter kleinen Gehäuse steckt, wetterfest ist und sich per Clip am Hemd oder einer Jacke befestigen lässt, kann der Nutzer sie immer bei sich tragen.
Wer sie als Jugendlicher erstmals einsetzt, sie stets tagsüber bis zu seinem 80. Lebensjahr mit sich führt, kann seinen Alltag anhand von etwa 50 Millionen Aufnahmen dokumentieren. Das Ergebnis ist ein ganzes Leben aus der Ego-Perspektive anhand einer schier endlosen Reihe von fünf Megapixel großen Aufnahmen.
Zwar kann die Kamera, deren Akku alle zwei Tage aufgeladen werden muss, nur etwas mehr als 6000 Bilder speichern. Doch die Betreiber bieten ihren Kunden 1,5 Terabyte Platz auf einem Online-Speicher in der Cloud.
Sammlung persönlicher Momente - Die Memoto-Kamera ist außerdem mit einem GPS ausgestattet. So weiß jeder Nutzer über die mit dem Foto verbundenen Geodaten, wo die Aufnahme gemacht worden ist.
Wann genau die etwas über 200 Euro teure Kamera auf den Markt kommt, kann Oskar Kalmaru, einer der Memoto-Gründer, noch nicht sagen, es dürfte aber demnächst so weit sein. „Unsere Kamera zeichnet auf wahrhaftige und unaufdringliche Weise einzigartige Momente des Lebens auf. Wer die Memoto bei einem Essen mit Freunden trägt, kann ganz den Abend genießen und gleichzeitig das Erlebnis für die Zukunft aufbewahren“, sagt Kalmaru.
Auch Konzertbesuche, Wanderungen oder Stadtbesichtigungen lassen sich damit dokumentieren - oder andere persönliche Momente. „Wer zum ersten Mal seinen künftigen Partner trifft und dabei die Memoto trägt, nimmt nur scheinbar unwichtige Momente auf - die in der Rückschau aber wichtig für die Person sind und dann auch festgehalten wurden“, sagt Kalmaru.
Bleibt der Datenschutz auf der Strecke? - Solch eine lückenlose Dokumentation des eigenen Lebens nennt sich Lifelogging. Das liegt im Trend, und es werden weitere Modelle auf den Markt kommen. Zum Beispiel der Autographer des Herstellers OMG.
Die Kamera hängt sich der Nutzer um den Hals, sie schießt Fotos, sobald ihre Sensoren eine Bewegung im Sichtfeld ausmachen. Die Dateien landen entweder auf dem acht Gigabyte großen Flashspeicher, oder der Nutzer schickt sie per Smartphone-App gleich auf sein Portal eines sozialen Netzwerks.
Richtig Schwung ins Lifelogging könnte Googles Glass bringen, eine Datenbrille, die nicht nur Informationen aus dem Web auf einem kleinen Display anzeigen, sondern auch Fotos schießen kann. Das dürfte eine ganz neue Debatte über Datenschutz lostreten.
Kalmaru sieht das entspannt: „Die Memoto verfügt über keinen Ein- oder Ausschaltknopf, sie ist immer in Betrieb. Trifft jemand also auf einen, der die Kamera bei sich trägt, weiß er, dass sie eingeschaltet ist.“ Außerdem bestehe keine direkte Internetverbindung, dadurch könnten die Fotos nicht spontan - und vielleicht aus Versehen - auf sozialen Netzwerken landen.