Tod den Kindheitsgefährten
Baku, den 20. Mai (AZERTAG). Wer im bronzezeitlichen Krasnosamarskoe vom Jungen zum Krieger werden wollte, musste seinen Hund töten. Archäologen fanden Spuren des grausigen Rituals an der Wolga und in indischen Gebeten. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: manipulierte Orakel, umfunktionierte Tempel und Farbenrätsel.
Einen toten Hund finden Archäologen öfter mal. Einige lebten als Haustiere bei den Menschen und bekamen am Ende ihres treuen Daseins eine eigene Grabstätte - andere endeten als Mahlzeit in den Schüsseln und ihre Knochen auf Abfallhaufen. Doch auf die Knochen von mindestens 51 Hunden und sieben Wölfen in der bronzezeitlichen Siedlung Krasnosamarskoe in der russischen Wolga-Region konnten die Ausgräber sich zunächst keinen Reim machen.
Jemand hatte sie zunächst gehäutet, zerlegt, verbrannt und dann die Reste mit der Axt in kleine Stücke zerteilt. Doch das nicht etwa wahllos, sondern immer nach dem gleichen Muster: die Schnauze war in drei Teile gehackt und der Schädel in kleine geometrische Stücke von etwa zweieinhalb Zentimetern Durchmesser. Am Wachstumsmuster der Zähne konnten die Archäologen vom Hartwick College in Oneonta im US-Bundesstaat New York ablesen, dass dieses blutige Ritual immer im Winter stattgefunden haben muss.
Archäologisch konnten die Forscher den Hintergrund dieser Riten nicht erklären. Also suchten sie in den frühen Mythen und Geschichten Eurasiens. Einen Hinweis fanden sie schließlich in indischen Gebeten, in denen beschrieben ist, wie Jungen zu Kriegern gemacht werden. Zu dem Ritual am Ende ihrer Ausbildung gehört, dass die jungen Krieger einen Mantel aus Hundefell anziehen, wenn sie das Elternhaus verlassen und sich den Kriegern anschließen. Die Hunde von Krasnosamarskoe waren alle zwischen sieben und zwölf Jahren alt, als sie starben. Die Ausgräber spekulieren, dass es die Hunde der Jungen gewesen sein könnten, mit denen sie von Geburt an aufgewachsen waren. Um zu einem Krieger zu werden, vermuten sie, mussten die Kinder die eigenen Hunde - ihre treuen Kindheitsgefährten - töten.
Die Chinesen haben geschummelt. Zumindest, wenn es um Prophezeiungen geht. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler um den Archäologen Hou Yanfeng von der Verwaltung der Kulturgüter in der Provinz Henan. Während der Shang Dynastie (ca. 1600 bis 1046 v. Chr.) hatten Prophezeiungen am Kaiserhof eine große Bedeutung und wurden oft zur Entscheidungsfindung herangezogen. Aus dieser Zeit stammen die ersten erhaltenen chinesischen Schriftdokumente - es sind Texte auf Orakelknochen.
Bei einer Methode, die Zukunft vorherzusagen, wurden Rinderknochen oder Schildkrötenpanzer verbrannt und die dabei entstandenen Risse interpretiert. „Wir haben aus Experimenten gelernt, dass die Entstehung bestimmter Rissmuster kontrollierbar ist“, sagte Yanfeng am Montag der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. „Während der Shang Dynastie stand der Kaiser den Wahrsagern vor. So konnte er die öffentliche Meinung mit Hilfe des Knochenorakels kontrollieren.“ Die Forscher untersuchten 185 Fragmente von Knochen und Panzern auf Manipulationen und bekamen so Einblicke in die Tricks und Kniffe der Wahrsager.
Wie viele Menschen die Justinianische Pest tatsächlich dahinraffte, weiß man nicht. Zur schlimmsten Zeit soll es allein in Konstantinopel bis zu 5000 Opfer gegeben haben - pro Tag. Am Ende waren rund 40 Prozent der Bevölkerung der Stadt tot, im gesamten Mittelmeerraum waren es etwa ein Viertel aller Bewohner. Selbst den Kaiser, nach dem der Ausbruch benannt wurde, hatte es erwischt - doch er überlebte.
Wer war Schuld an der Pandemie? Über diese Frage streiten sich seit einiger Zeit die Wissenschaftler. Wurde die große Pest der Spätantike von dem Bakterium Yersinia pestis ausgelöst? Das war nachweislich der Schuldige für die zweite große Pandemie des 14. bis 17. Jahrhunderts sowie den dritten und bislang letzten weltweiten Ausbruch der Pest im 19. und 20. Jahrhundert.
Vor zwei Jahren hatten Tübinger Forscher ausgerechnet, dass der gemeinsame Vorfahre aller Pesterreger frühestens um das Jahr 1282 entstanden sein könnte - und damit zur Zeit der Justinianischen Pest noch gar nicht existierte. Doch jetzt haben Wissenschaftler um Michaela Harbeck vom Archeobiocenter der Ludwig Maximilians Universität München nachweisen können, dass zu Zeiten des Kaisers Justinian in der Tat Yersinia pestis schon sein Unwesen trieb. In einer internationalen Studie analysierten die Forscher ancient DNA aus Gräbern des 6. Jahrhunderts von dem frühmittelalterlichen Friedhof im bayerischen Aschheim in zwei unabhängigen Laboren. Wie sie in dem Open Access Journal „PLOS Pathogens“ berichten, konnten sie eindeutig Yersinia pestis DNA an den Skeletten nachweisen.