US-Amerikaner sehen sich schon auf dem Siegerpodest
Baku, den 16. März (AZERTAG). Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter - auch in der Wissenschaft. Wenn die Entdeckung des Higgs-Teilchens glückt, werden viele dazu beigetragen haben.
Am 13. Dezember 2011 gab es beim Cern eine Pressekonferenz, in der die Physiker berichteten, dass sie bereits deutliche Hinweise auf die Existenz des Higgs-Teilchens erhalten hätten. Da sich dieses nicht direkt, sondern nur über seinen Zerfall in andere Teilchen nachweisen lässt, läuft der Existenzbeweis auf eine statistische Auswertung von Messsignalen hinaus.
Diese offenbarten den Cern-Forschern, dass Higgs in einem Energiebereich zwischen 115 und 130 Gigaelektronenvolt (GeV) zu finden sein müsste - wenn es existiert. Für Entdeckungen auf der Basis von Statistik gilt, dass der Befund die Sicherheit einer fünffachen Standardabweichung aufweisen muss. Die Forscher sprechen dann von „fünf Sigma“.
Die Cern-Forscher hatten ihre Daten bei zwei unabhängigen Experimenten gewonnen. Das reichte den Forschern für die Pressekonferenz, wenngleich die Signifikanz der Ergebnisse nur 2,5 und 3,5 Sigma betrug. Spätestens bis Ende 2012 werden genügend Messdaten vorhanden sein, um den Wert von fünf Sigma zu erreichen, wenn es das Higgs-Teilchen tatsächlich gibt.
Diese Hoffnung erhält jetzt weitere Nahrung. US-Physiker am Fermilab berichten, dass die Auswertung von am - im September 2011 stillgelegten - Beschleuniger Tevatron gewonnenen Daten ebenfalls Hinweise auf die Existenz von Higgs ergab.
Die statistische Signifikanz liegt hier bei 2,2 Sigma. Das ist zwar weniger präzise, als es die Cern-Daten sind, doch weil sie in die gleiche Richtung weisen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass es Higgs wirklich gibt.
Rob Roser, Sprecher des Physikerteams am Tevatron, erklärt vorsorglich, dass man das Fermilab in einem Atemzug mit dem Cern wird nennen müssen, wenn die Entdeckung von Higgs gelingt. Ob das die Kollegen am Cern auch so sehen, ist fraglich.
Denn eines ist klar: Die definitive Entdeckung mit dem dafür notwendigen Erreichen der Fünf-Sigma-Marke wird nur am Cern möglich sein. Am Ende wird wohl das Nobel-Komitee entscheiden müssen, wer in Sachen Higgs nach Stockholm wird reisen dürfen - wenn die Entdeckung glückt.