US-Regierung will Google zu Verkauf von Chrome-Browser zwingen
Baku, 21. November, AZERTAC
Die US-Regierung hat die Justiz dazu aufgefordert, die Abspaltung des Browsers Chrome vom Internetkonzern Google anzuordnen. Hintergrund ist ein Urteil, das Google ein jahrelanges wettbewerbswidriges Monopol attestiert.
In einem 23-seitigen Papier des US-Justizministeriums werden noch weitere umfassende Maßnahmen gefordert. Dazu gehört auch ein Ende von Deals mit anderen Firmen über die standardmäßige Vorinstallation der Google-Suchmaschine auf deren Geräten und Internetbrowsern. Google hatte im Rahmen solcher Deals jahrelang Milliardensummen an Unternehmen gezahlt.
Die Regulierungsbehörden wollen außerdem, dass Google die Indexdaten, die es bei Suchanfragen sammelt, an Konkurrenten lizenziert – damit diese eine bessere Chance haben, mit dem Techgiganten zu konkurrieren. Weiterhin solle Google transparenter machen, wie die Preise festgelegt werden, die Werbetreibende zahlen, um in Suchergebnissen ganz oben gelistet zu werden.
Das US-Justizministerium verlangt von Google ausdrücklich nicht, dass es auch sein Betriebssystem Android verkauft – zumindest solange kein weiteres Fehlverhalten festgestellt werde.
Dennoch dürften die vorgeschlagenen Maßnahmen Googles Geschäft erheblich verändern. Der Umsatz des Techkonzerns wird dieses Jahr voraussichtlich mehr als 300 Milliarden Dollar betragen.
Der Vorstoß der US-Behörden war erwartet worden. Ein Bundesrichter in Washington hatte bereits im August geurteilt, dass Google mit seiner Suchmaschine ein Monopol bilde. Das Justizministerium hatte daraufhin im Oktober eine härtere Gangart angekündigt.
Die Anhörungen zu dem Fall beginnen im kommenden April. Eine Entscheidung wird bis September erwartet. Sollten die Gerichte den Vorschlägen des Justizministeriums folgen, müsste Google seinen Browser binnen sechs Monaten verkaufen. Google hat angekündigt, die Maßnahmen anzufechten.
Die Vorschläge der US-Regierung deuten auf einen tiefgreifenden Wandel zwischen dem Staat und den großen Techkonzernen hin. Seit US-Behörden vor 20 Jahren mit dem Versuch gescheitert waren, den Softwarekonzern Microsoft zu zerschlagen, hatten sie den Techkonzernen weitgehend freie Hand gelassen. Diese Phase scheint nun vorerst vorbei zu sein.