Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Warum der Superakku doch ziemlich unsuper ist

Baku, den 29. Mai (AZERTAG). Eine 18-jährige US-Schülerin wurde jüngst für eine bahnbrechende Erfindung gefeiert: ein Superakku, der Smartphones extrem lange mit Strom versorgen soll. Die Innovation hat aber leider einen Haken.

Smartphones in nur wenigen Sekunden aufladen zu können - davon träumen nicht nur Vieltelefonierer. Die digitalen Multitalente leiden aufgrund ihrer Funktionsvielfalt und der großen Displays notorisch unter Strommangel. Immer dann, wenn man sie dringend braucht, so scheint es jedenfalls, ist der Akku mal wieder gerade leer. Die Möglichkeiten des Aufladens werden überdies durch ein Wirrwarr an unterschiedlichen Steckern begrenzt.

Da trifft es sich gut, das eine gerade einmal 18-jährige US-Schülerin im Labor ihrer Schule dieses Menschheitsproblem gelöst haben soll. Als in der vergangenen Woche die Schlagzeilen vom neuen „Superakku für Handys“ um den Globus jagten, schienen Hunderte Profiforscher düpiert, die seit Jahren mit Millionenaufwand an diesem Thema arbeiten.

Was hatte die Schülerin da entwickelt? Einen verschleißfreien Akku, der Smartphones doppelt so lange mit Strom versorgen kann wie heutige Technik und dann auch noch binnen 30 Sekunden aufgeladen werden kann?

Eesha Khare hatte beim amerikanischen „Jugend forscht“-Wettbewerb teilgenommen und sich gegen 1600 Mitbewerber durchgesetzt. Fast zu schön, um wahr zu sein. Auf der Intel International Science and Engineering Fair (ISEF) in Phoenix, Arizona, konnte die 18-Jährige gleich vier Preise einheimsen: 250 Dollar von der Patent and Trademark Office Society, 5000 Dollar plus 3000 Dollar von der American Chemical Society sowie von Intel in der Kategorie „Chemie“ und außerdem stolze 50.000 Dollar als Preisgeld des Young Scientist Award, ebenfalls von Intel finanziert.

Das ist für Eesha Khare zweifelsohne ein schönes Startgeld für ihr geplantes Studium. Doch von den Ladeproblemen bei den Smartphones hat sie uns leider doch nicht erlöst. Im Handyshop wird es in absehbarer Zeit keine Smartphones mit der verheißenen Supertechnik geben. Bei der ausgezeichneten Arbeit geht es um vergleichsweise kleine Verbesserungen bei der Technik der sogenannten Superkondensatoren, doch keinesfalls um eine technische Revolution.

Arbeit fand einst keine Resonanz - Man kann durchaus die Stirn darüber runzeln, dass die jetzt gefeierte Innovation bereits vor einem Jahr in einem wissenschaftlichen Fachjournal veröffentlicht worden ist - und zwar von dem an der University of California arbeitenden Forscher Yat Li. Damals fand diese Arbeit keine weltweite Resonanz, was allerdings auch nicht weiter verwundern kann.

Doch wenn eine Schülerin einen „sensationellen“ Forschungsdurchbruch erzielt, dann ist das offenbar etwas ganz anderes. Yat Li hatte die Schülerin Eesha Khare als Mentor unterstützt. Wie hoch die Eigenleistung bei diesem Wettbewerbsprojekt gewesen ist, wissen nur die beiden.

Auffällig ist, dass sich in jüngster Zeit die Meldungen über Schülerinnen und Schüler häufen, die während eines Praktikums oder im Rahmen von Wettbewerben geniale wissenschaftliche Leistungen vollbringen, zu denen scheinbar ganze Heerscharen von Forschern nicht in der Lage ist.

Niemand will unterstellen, dass dabei möglicherweise eine geschickte PR-Strategie eine gewisse Rolle spielen könnte. Doch beim nächsten Zwölfjährigen mit dem Talent eines Albert Einsteins sollte man doch lieber ganz genau hinschauen.

Nanotubes verbessern die Kapazität - Was genau hat nun aber Yat Li, beziehungsweise die von ihm betreute Schülerin, erfunden? Durch die Verwendung von Nanotubes, also kleinen Kohlenstoffröhrchen konnte die Kapazität von sogenannten Superkondensatoren erhöht werden.

Der Kondensator ist ein elektrisches Bauteil zur Speicherung von Ladung zwischen zwei Metallplatten. Er wurde 1745 vom Domdechanten Ewald Jürgen Georg von Kleist in Cammin in Pommern erfunden. Heute enthält jedes elektronische Gerät eine große Zahl von Kondensatoren in sehr unterschiedlichen Bauformen.

1853 entdeckte der deutsche Physiker Hermann von Helmholtz den sogenannten Doppelschichteffekt, der die Grundlage für den Bau von Superkondensatoren liefert.

Superkondensatoren sind trickreich aufgebaut und können aufgrund der Verwendung bestimmter elektrochemischer Substanzen weit größere Ladungsmengen speichern als gewöhnliche Kondensatoren. Superkondensatoren werden beispielsweise Puffer zur Überbrückung bei Stromausfall oder beim Batteriewechsel in statischen Datenspeichern.

Seit den 60er-Jahren sind die Superkondensatoren im Handel. Schnelles Aufladen und geringer Verschleiß sind die besonderen Merkmale der Superkondensatoren. Sie lassen sich problemlos viele Tausend Male aufladen und entladen. Auch das vollständige Entladen ist bei Superkondensatoren völlig problemlos, und einen Memory-Effekt haben sie auch nicht.

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