Weichkorallen profitieren von saurem Meerwasser
Baku, den 1. April (AZERTAG). Steinkorallen leiden unter der Übersäuerung der Meere: Ihnen droht eine Verdrängung durch Algen und Seegras. Die Auswirkung auf Weichkorallen kennt man dagegen nicht so genau.
Die Übersäuerung der Meere kann massive Auswirkungen auf die Zusammensetzung von Korallenriffen haben. Wie japanische Forscher im Journal “Nature Climate Change” berichten, könnte dieser Effekt bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer zunehmenden Verdrängung von Steinkorallen durch Weichkorallen führen.
Steinkorallen sind wichtige Riffbildner und bieten somit vielen Wasserorganismen einen komplexen Lebensraum. Das Team um Shihori Inoue von der Universität Tokio sieht die mögliche Entwicklung des Ökosystems daher mit Sorge.
Gerät mehr Klimagas Kohlendioxid ins Meer, sinkt der pH-Wert - das Wasser wird also saurer. In verschiedenen Studien wurden die Folgen einer Meeres-Übersäuerung für Korallen bereits erforscht, heißt es im Journal. So zeigte etwa eine Untersuchung der Umgebung von Kohlendioxid-Gasabzügen im Mittelmeer, dass dort kalkbildende Organismen zunehmend durch Algen und Seegras verdrängt werden.
Auch Studien in Papua Neuguinea und Mexiko ergaben, dass ein geringerer pH-Wert zu einer Abnahme der Korallenvielfalt führt.
Riffbildende Korallen sterben - Steinkorallen bilden zentimeterdicke Kalkskelette. Weichkorallen wie Lederkorallen (Sacrophyton elegans) hingegen besitzen zur Stabilisierung lediglich hauchdünne Kalknadeln, sogenannte Sklerite. Sie bilden keine Riffe.
Die meisten Studien konzentrieren sich auf die Folgen einer Kohlendioxid-Erhöhung für Steinkorallen, so die Forscher. Es gebe hingegen keine Untersuchungen, die die Auswirkungen für Weichkorallen unter die Lupe nehmen. Shihori Inoue und Kollegen wollten dies ändern.
Die Forscher untersuchten die Umgebung der unbewohnten Vulkan-Insel Iwotorishima, die zu den japanischen Ryukyu-Inseln gehört. Die gesamte Insel ist von Korallenriffen umgeben, nur an der Südostküste fehlen diese - denn dort ist das Meerwasser aufgrund von Quellen und Vulkangasen übersäuert.
ph-Wert bestimmt die Artenzusammensetzung - Auch sonst ist die Zusammensetzung der Riffe von Iwotorishima den Forschern zufolge stark vom Kohlendioxid-Gehalt abhängig. So wachsen Steinkorallen etwa nur in Regionen mit normalen Kohlendioxid-Konzentrationen, Weichkorallen kommen hingegen auch bei leicht erhöhtem Kohlendioxid-Gehalt vor.
Für ihre Experimente sammelten die Wissenschaftler fünf Lederkorallen-Kolonien, die aus Zonen stammen, die dicht mit Weichkorallen besiedelt sind. Die Kolonien wurden in verschiedene Becken gesetzt und fünf Wochen lang beobachtet: In einem Tank herrschten normale, im anderen leicht erhöhte und im dritten stark erhöhte Kohlendioxid-Konzentration.
Vor dem Start des Experiments sowie nach rund zwei und nach fünf Wochen überprüften die Forscher, wie sich die Kalkbildung der Nesseltiere veränderte. Da Sacrophyton elegans in Symbiose mit einzelligen Algen lebt, wurde auch die Photosyntheserate untersucht.
Tagsüber führte ein Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration demnach zu einer stärkeren Photosynthese, die Erhöhung hatte aber keinen Einfluss auf die Kalkbildung. Für die Nacht galt hingegen: gibt es mehr Kohlendioxid im Wasser, geht die Kalkbildung zurück oder es kommt sogar zur Entkalkung der Weichkorallen. Zwei von fünf Kolonien, die in stark Kohlendioxid-reichem Wasser gehalten wurden, starben während des Experiments.