Die unheimliche Magie der niemals endenden Zahl Pi
Baku, den 14. März (AZERTAG). Am 14. März ist Pi-Day und der wird von Mathematikern und Physikern zelebriert. Pi wurde mittlerweile auf zehn Billionen Nachkommastellen berechnet.
In Parks und Hörsälen, auf Hügeln und Aussichtstürmen wird am 14. März weltweit rezitiert. Doch die Redner tragen keine lieblichen Worte zum Frühling vor, es sind Ziffern. Genauer gesagt: Nachkommastellen der Zahl Pi. Besonders schöne Passagen werden unter beifälligem Nicken der Anwesenden, zu denen zahlreiche Mathematikprofessoren gehören, wiederholt.
In der US-Schreibweise liest sich der 14. März als 3/14. Das macht ihn zum jährlich wiederkehrenden Feiertag von Pi mit dem gerundeten Wert 3,14. Wer es ganz genau nimmt, zelebriert die Konstante exakt um 1.59 Uhr und 26 Sekunden, denn 1-5-9-2-6 lauten die weiteren Dezimalstellen.
Der Pi-Day ist ein offizieller Feiertag: Der Physiker Larry Shaw aus San Francisco hat den Pi-Day ins Leben gerufen, und in den USA ist er mittlerweile sogar ein offizieller Feiertag. Schulen dürfen den 14. März mit zahlreichen Festivitäten würdigen.
An renommierten Universitäten wie Harvard und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge essen Studierende und Dozenten heute Kuchen um die Wette. Das englische Wort für Kuchen lautet „pie“, das Amerikaner ebenso aussprechen wie Pi. Im Hintergrund läuft der Titel „Pi“ von Kate Bush, und abends werden Pizza und Pistazien gereicht, dazu Pina Colada getrunken.
Bei ihren Beschäftigungen mit Pi scheuen manche Enthusiasten weder Zeit noch Geld. Programmierer Alexander Lee und Computerspezialist Shigerum Kondo zum Beispiel haben monatelang 40 Grad Celsius in ihrer Wohnung ertragen und monatlich 400 Dollar an Stromkosten gezahlt.
Das Ergebnis ihres aufopfernden Verhaltens: Sie haben Pi auf zehn Billionen Nachkommastellen genau berechnet. Weltrekord. Zum Schluss mussten die beiden Tüftler nur noch die im Hexadezimalsystem vorliegenden Ergebnisse ins geläufigere Dezimalsystem überführen und prüfen, ob ihre Resultate stimmen. Das ist knifflig, da ja niemand zuvor die Dezimalstellen so exakt bestimmt hat. Aber es „gibt eine Art Stichprobenalgorithmus.
Mit dieser Formel ist es möglich, direkt eine bestimmte Dezimalstelle von Pi, zum Beispiel die 437-milliardste, zu berechnen“, sagt Albrecht Beutelspacher, Mathematikprofessor an der Universität Gießen und Direktor des Mathematikums.
Lees Software testete damit massenhaft und in einer Zufallsauswahl ganz bestimmte Nachkommaziffern. Außerdem wendeten die Studenten statistische Tests an. Sie prüften zum Beispiel, ob die Ziffern in der von Lee und Kondo ermittelten Folge gleichmäßig verteilt vorlagen. Die einzelne Ziffer darf nur durchschnittlich an jeder zehnten Stelle vorkommen, zwei Ziffern in einer bestimmten Reihenfolge nur alle 100 Mal.