Fossile Bakterienreste belegen Sternenexplosion
Baku, den 10. Mai (AZERTAG). Forscher haben in Bakterien vom Meeresgrund ein verräterisches Eisenisotop entdeckt. Dieses wurde vermutlich durch die Wucht einer Supernova vor mehr als zwei Millionen Jahren auf die Erde geschleudert. Es wäre der erste biologische Nachweis für eine solche Sternenexplosion.
Eine Supernova ist das spektakuläre Ende einer Sternenkarriere. Kurzzeitig leuchtet der sterbende Himmelskörper heller als eine ganze Galaxie. Und eine unvorstellbar starke Explosion schleudert einen Großteil seiner Masse hinaus ins All. Zeugnisse einer solchen kosmischen Katastrophe wollen Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) in fossilen Bakterien auf der Erde entdeckt haben.
Konkret geht es um das radioaktive Eisenisotop Fe-60. Dieses hat eine Halbwertszeit von 2,62 Millionen Jahren und sollte auf der Erde eigentlich nicht vorkommen. Irdische Spuren wären daher ein Hinweis auf eine Sternexplosion in kosmischer Nachbarschaft. Wissenschaftler um den Astro-Kernphysiker Shawn Bishop fanden das Isotop aber in Magnetit-Kristallen einer Bakterienart, die in den oberen Sedimentschichten der Ozeane lebt.
Die Bakterien reichern Eisen in winzigen, nur 80 Nanometern messenden Magnetit-Kristallen an. Die helfen ihnen, sich am Erdmagnetfeld zu orientieren. Bishop und seine Kollegen hatten 1,7 Millionen bis 3,3 Millionen Jahre alte Teile eines Tiefseebohrkerns aus dem Pazifischen Ozean untersucht. Aus den Proben lösten sie chemisch die fossilen Bakterienreste heraus - und damit auch das Eisen aus der Supernova.
Analyse von weiterem Bohrkern geplant - Es sei die erste nachgewiesene biologische Signatur einer Sternenexplosion, teilte die TUM am Mittwoch mit. Die Wissenschaftler hatten ihre Erkenntnisse bereits im April auf dem Kongress der American Physical Society in Denver vorgestellt.
Mit Hilfe des hochempfindlichen Beschleuniger-Massenspektrometers am Maier-Leibnitz-Laboratorium in Garching fanden die Forscher heraus, dass der Stern vor etwa 2,2 Millionen Jahren explodiert sein müsste - etwa zu der Zeit, als der moderne Mensch entstand. Um welchen Stern es sich gehandelt hat, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Astronomen diskutieren aber über ein Ereignis in der Scorpius-Centaurus-Assoziation, deren Sterne um die 400 Lichtjahre von der Erde entfernt sind.
Um die bisherigen Ergebnisse über die Supernova-Spuren zu bestätigen, bereiten Bishop und sein Team nun die Analyse eines zweiten Bohrkerns mit einer zehnfachen Menge an fossilen Bakterien vor. Dabei wollen sie noch genauer herausfinden, wie alt die Fe-60-Reste sind - und wann somit die Supernova stattgefunden hat.