Polarschmelze gibt tonnenweise Bodenschätze frei
Baku, den 19. März (AZERTAG). Eldorado am Polarkreis: Das schwindende Eis gibt wertvolle Erze frei. Allein im Süden Grönlands lagern geschätzte 6,5 Millionen Tonnen an Seltenen Erden.
Die globale Erwärmung lässt Grönlands Gletscher und das Meereis vor der Küste der arktischen Insel immer schneller schmelzen. Dadurch sind die Rückzugsgebiete von Eisbär, Moschusochse, Polarwolf und Walen bedroht.
Den dramatischen Eisschwund bestätigen Satellitenbeobachtungen der vergangenen Jahrzehnte. Auch die bis zu dreieinhalb Kilometer mächtige Inlandeisdecke schmilzt. Nach einer jüngst veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung könnte sie innerhalb von 500 Jahren um ein Fünftel an Masse verlieren.
Geht der Trend so weiter, wäre Grönland in 2000 Jahren völlig eisfrei. Was Umweltschützer weltweit mit Sorge erfüllt, lässt viele der kärglich von Fischerei und etwas Tourismus lebenden knapp 60.000 Grönländer auf mehr Wohlstand hoffen.
Das weichende Eis macht die reichen Rohstoffvorkommen der Insel zugänglich. Neben Erzen wie Uran, Zink, Eisenerz, Kupfer und Gold bergen die uralten Gesteine Grönlands auch große Mengen der als Seltene Erden bezeichneten Metalle, darunter Lanthan, Cer, Neodym, Praesodymium, Terbium und Yttrium.
Wegen ihrer besonderen Eigenschaften kommen sie in Handys, Laptops, Flachbildschirmen, Brennstoffzellen, LED-Leuchten, Motoren für Elektroautos und in der Lasertechnik zum Einsatz und bilden so die stoffliche Basis für ganze Hightechindustrien.
Bislang kommen 97 Prozent der strategisch bedeutsamen Metalle aus China, das über eins der reichsten Vorkommen an Seltenen Erden verfügt. Ein Monopol, das in den Augen der Weltgemeinschaft zu einseitigen Rationierungen und gewaltigen Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten geführt hat. Nun wollen die Europäische Union, die USA und Japan den Kontrahenten China vor dem Schiedsgericht der Welthandelsorganisation verklagen.
Der Monopolist könnte bald Konkurrenz bekommen. Im weitgehend eisfreien Süden Grönlands, in einer hügeligen Gegend, in der die weichenden Gletscher eine Marslandschaft aus nacktem Gestein, Geröll und Schutt hinterlassen haben, liegt das Kvanefjeld. Für das Gebiet hat die in Westaustralien ansässige Firma Greenland Minerals and Energy Explorationslizenzen erworben und Probebohrungen durchgeführt.
Ergebnis: Mindestens 6,5 Millionen Tonnen an Seltenen Erden schlummern im Gestein, schätzt das Unternehmen. Hinzu kommen große Mengen an Uran. Das hat nicht nur die Börse beeindruckt und den Aktienkurs des kleinen Unternehmens zeitweise in schwindelerregende Höhen getrieben. „Es handelt sich um eines der größten Seltene-Erden-Vorkommen der Erde“, stellt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in einem Bericht fest.