Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Universität Konstanz kündigt wichtige Abos

Baku, den 29. März (AZERTAG). Die Preisvorstellungen seien weit über der Norm. Die Universität Konstanz hat Verhandlungen mit dem Großverlag Elsevier abgebrochen, Forscher sollen ab sofort über andere Wege auf Studien zugreifen. Nicht nur am Bodensee wächst der Protest gegen überteuerte Publikationsmodelle.

An der Universität Konstanz eskaliert der Streit um den Preis von Wissenschaftszeitschriften: „Teurer als die Wissenschaft erlaubt“, war am Mittwoch eine Pressemitteilung der Uni überschrieben, die in der Branche für einigen Wirbel sorgt.

Man habe die die Lizenzverhandlungen mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier abgebrochen: „Der Durchschnittspreis einer bei Elsevier lizenzierten Zeitschrift lag an der Universität Konstanz zuletzt bei 3.400 Euro pro Jahr und damit fast dreimal höher als beim zweitteuersten großen Verlag“, schreibt die Uni.

Der Ärger um teure Elsevier-Abos ist nicht neu, im Jahr 2012 zum Beispiel kündigte die Mathe-Fakultät der TU München ihre Abos. Elsevier gilt als einer der wichtigsten Wissenschaftsverlage, er gehört zum britisch-niederländischen Medienkonzern Reed Elsevier, der einige der wichtigsten Fachzeitschriften veröffentlicht. Bibliotheken verhandeln meist nicht über das Abo einzelner Zeitschriften, sondern über ganze Pakete.

Universitäten fühlen sich epresst - Die Autoren, die in Journalen publizieren, bekommen für ihre Mitarbeit meist keinen Cent. Doch die Profite der Verlage sind oft satt: Elsevier meldet eine operative Gewinnmarge von 29 Prozent.

Über 9000 Zeitschriften hat die Uni Konstanz derzeit abonniert, der Anteil der 99 Elsevier-Titel machte letztes Jahr also nur rund ein Prozent aus - aber rund 20 Prozent der Kosten für elektronische Abos. „Wir haben seit Oktober intensiv verhandelt, leider ergebnislos“, sagt Petra Hätscher, die Leiterin der Unibibliothek Konstanz. „Universitäten sind in gewisser Weise gezwungen, in Form von Abonnementgebühren ein Gut teuer zurückzukaufen, das eigentlich von ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern produziert wird.“

Selbst die finanziell hervorragend ausgestattete Harvard-Universität schlug im April 2012 Alarm: „Einige Zeitschriften kosten 40 000 Dollar pro Jahr, andere einige Zehntausend“, schreiben die Mitglieder des Faculty Advisory Council: „Bei zwei Anbietern hat sich innerhalb von sechs Jahren der Preis für den Onlinezugang um 145 Prozent gesteigert.“

Derzeit eskaliert der Streit. Elsevier beschwert sich, wenn Wissenschaftler die offizielle Druckversion ihrer eigenen Forschungsergebnisse online veröffentlichen, nachdem sie in Journalen erschienen sind. Allein an der Harvard-Universität wurden 23 Wissenschaftler aufgefordert, ihre online veröffentlichten Artikel wieder zu entfernen.

Elsevier argumentiert: Die redaktionelle Arbeit sichere eine hohe Qualität, und die habe eben ihren Preis. Zudem: Die Einzelkosten pro abgerufenem Artikel seien „erheblich gesunken“, aber der Bedarf und das Forschungsvolumen der Unis habe stärker zugenommen als ihre Budgets.

Immer mehr Unis suchen nach Alternativen zu den teuren Abos. Ein Vorreiter dieser Bewegung ist Harvard. „Wir waren mit die ersten, die alle Mitarbeiter darauf verpflichteten, ihre Veröffentlichungen über unsere Uniserver auch der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen“, sagt Robert Darnton, Leiter der Harvard-Bibliothek, Historiker und Buchautor.

Neue Wege der Publikation - Viele Verlage bekämpfen dies sogenannte Zweitveröffentlichungsrecht, weil es ihr Monopol untergräbt. Darnton hält dagegen: „Viele Professoren und Autoren sind naiv, und lassen sich von den Verlagen das Copyright abschwatzen, obwohl sie das gar nicht müssten. Unsere Open-Access-Regeln helfen ihnen dabei, in ihrem eigenen Interesse zu handeln - und im Interesse der Öffentlichkeit, die für ihre Forschung zahlt.“ Das Harvard-Modell macht Schule. Rund 200 Institutionen weltweit haben ihre Mitarbeiter bereits verpflichtet, ihre Veröffentlichtungen Verlagen nicht exklusiv zu überlassen, sondern sie zu auch im Netz zu veröffentlichen.

Auch das Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf beschreitet neue Wege. Gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen bezahlen sie seit Januar einen Pauschalbetrag für die redaktionelle Arbeit von Fachzeitschriften, um damit jedoch die Veröffentlichtungsrechte zu erwerben und die Artikel frei zugänglich online zu veröffentlichen.

Was bedeutet die Eskalation an der Uni Konstanz, sind Studierende und Forscher nun abgeschnitten vom Zugang zu wichtigen Zeitschriften? Nein, man habe zwar die Lizenzverträge für 99 Elsevier-Zeitschriften gekündigt, sagt die Bibliotheksleiterin Hätscher. Doch selbstverständlich können unsere Forscher auch in Zukunft auf die Elsevier-Artikel zugreifen, aber auf anderem Wege als bislang. Zum Beispiel per Fernleihe oder über die Einzelbezahlung pro Artikel.“

„Universitäten haben nicht den Wunsch, die Verlage abzuschaffen“, sagt Petra Hätscher: „Aber der wissenschaftliche Publikationsmarkt ist im Umbruch. Es gibt schon viele Überlegungen zu neuen Veröffentlichungsmodellen.“

 

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