In Lahij lebt jahrhundertealte Kunst des Kupferschmiedens von Generation zu Generation weiter
Ismayilli, 9. Oktober, AZERTAC
Wer die engen, gepflasterten Gassen von Lahij/Lahidsch im Bezirk Ismayilli betritt, hört sofort das Klopfen der Hämmer. Es ist nicht nur der Arbeitsrhythmus in den Handwerksbetrieben, sondern auch der Klang eines reichen Erbes, das seit Jahrhunderten bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Ein AZERTAC-Korrespondent hat sich vor Ort mit der traditionsreichen Kunst des Kupferschmiedens in Lahidsch vertraut gemacht.
Heute sind die Kupferschmiedewerkstätten von Lahidsch nicht nur Orte, an denen das alte Handwerk weiterlebt, sondern auch beliebte Anlaufstellen für Touristen. Jedes nach traditionellen Methoden gefertigte Stück zeugt von der reichen Handwerkstradition des Ortes.
Aserbaidschan gilt seit jeher als eines der Zentren der Kupferverarbeitung. Archäologische Funde belegen, dass die erste Verarbeitung von Kupfer auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschans bis ins Neolithikum, in das 6. Jahrtausend v. Chr., zurückreicht. Im Mittelalter entwickelte sich das Kupferschmiedehandwerk mit dem Aufblühen mehrerer größerer Städte zu einem eigenständigen Handwerkszweig.

Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich Lahidsch zu einem der wichtigsten Zentren des Kupferschmiedehandwerks in Aserbaidschan. Hier gefertigte Gefäße wie Wasserkrüge, Eimer, Milchkannen, Schöpfgefäße, Wasserkrüge, Waschschüsseln, Serviertabletts, Siebe, Schaumlöffel, Schalen, Trinkgefäße, Kessel und Öllampen waren für ihre kunstvollen und filigranen Verzierungen bekannt und erfreuten sich in Zentralasien, Dagestan, Georgien, im Iran und in der Türkei großer Beliebtheit. Dass damals 52 Kupferschmiedewerkstätten in Lahidsch betrieben wurden, zeugt von der herausragenden Stellung des Ortes in diesem Handwerk.
Die Arbeiten der Lahidscher Meister wurden stets sehr geschätzt. Die von Meister Nadschafgulu in den Jahren 1717–1718 gefertigten Samoware erlangten große Bekanntheit. Bei der 1850 veranstalteten Ausstellung der Werke des Transkaukasischen Gebiets wurde Meister Mammad Gadir für ein Kupfergefäß mit einem Geldpreis ausgezeichnet.
Beim Kupferschmieden kommen verschiedene Werkzeuge zum Einsatz. Zunächst wird das Rohmaterial bearbeitet, anschließend durch Hämmern in die gewünschte Form gebracht und mit feinen Ornamenten verziert.
Bei der Bewahrung des Handwerks spielt die Weitergabe von Generation zu Generation eine besondere Rolle. Kablami Aliyev, einer der bekannten Kupferschmiede von Lahidsch, übt dieses Handwerk seit 55 Jahren aus. Der Meister erklärt, dass das Kupferschmieden in seiner Familie Tradition hat: „Dieses Handwerk wurde uns von unseren Vorfahren überliefert. Ich bin von Kindheit an in diesem Umfeld aufgewachsen. Wir sind sechs Brüder und alle haben sich diesem Handwerk verschrieben. Auch unsere Kinder werden dieses Erbe weiterführen.“

Nach Angaben von Kablami Aliyev muss ein echter Kupferschmied alle Arbeitsschritte des Handwerks gründlich beherrschen.
„Je größer und komplizierter ein Werkstück ist, desto mehr Arbeit und Zeit erfordert es. Manchmal dauert die Herstellung Monate. So haben wir beispielsweise gemeinsam mit fünf oder sechs Meistern innerhalb von sechs Monaten einen mannshohen Samowar gefertigt und unsere Namen darauf eingraviert. Es freut uns, dass das Interesse am Kupferschmiedehandwerk auch heute in Lahidsch groß ist. Die Bewohner des Ortes erlernen die Feinheiten des Handwerks mit großem Interesse. Wir sind stolz darauf, dieses jahrhundertealte Erbe an künftige Generationen weitergeben zu können.“
Der universelle Wert des Kupferschmiedehandwerks von Lahidsch wurde auch international anerkannt. 2015 wurde die Handwerkskunst in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Heute schlägt jeder Hammerschlag auf Kupfer in Lahidsch eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das über Jahrhunderte bewahrte Handwerk lebt in den Händen der Meister weiter und blickt dank des Interesses der jungen Generation zuversichtlich in die Zukunft.