Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Schlangen gehören zu den erfolgreichsten Reptilien überhaupt

Schlangen gehören zu den erfolgreichsten Reptilien überhaupt

Baku, 25. Juli, AZERTAC 

3500 Arten, ein Verbreitungsgebiet, das fast alle Klimazonen umfasst - Schlangen gehören zu den erfolgreichsten Reptilien überhaupt. Doch wie wurde aus diesen Ex-Echsen ein längliches Lebewesen ohne Gliedmaßen? Ein Fossilfund liefert nun Antworten.

Darüber, dass Schlangen einstmals Gliedmaßen besaßen, gibt es keine Debatte. Im Skelett mancher Arten sieht man noch Spuren der Knochen, an denen einst Glieder ansetzten. Bei den altertümlichsten Vertretern der Familie sind noch Reste des Beckengürtels zu finden sowie hakenartige Sporne, die letzten Überreste rückgebildeter Gliedmaßen. Bei "modernen" Schlangen hingegen findet man nichts dergleichen: Sie, das weiß man seit Langem, haben sich schon vor vielen Millionen Jahren ganz auf ihre typisch schlängelnde Lebensweise verlegt.

Was man nicht sicher weiß, ist, wo das begann. Schlangen bewegen sich an Land durchaus flink. Ihre schnellsten Vertreter flitzen kurzzeitig mit über 20 Kilometern pro Stunde über den Boden. Sie kommen dabei mit den extremsten Biotopen vom Regenwald bis zu knochentrockenen Wüsten zurecht. Viele Arten sind aber auch gute Schwimmer und Taucher. Marine Schlangen tauchen bis zu zwei Stunden lang und deutlich über 100 Meter tief.

Gliederlosigkeit als Vorteil - Und all das ohne Beine. Für uns ist es schwer nachzuvollziehen, dass es irgendwie von Vorteil sein könnte, lang, dünn und ohne Gliedmaßen zu sein. Tatsächlich scheint diese Körperbauform aber in bestimmten Biotopen, bei bestimmten Lebens- und Fortbewegungsweisen so vorteilhaft zu sein, dass sie sich im Laufe der Evolution mindestens 26 mal unabhängig voneinander entwickelte und durchsetzte.

Wann und wo aber streckte sich der Körperbau der Schlangen zu ihrer heute so optimierten Form? Wo wirkte sich die sukzessive Umbildung für sie weniger nachteilig aus, sondern stellte in allen Phasen einen evolutionär wirkenden Vorteil dar? Auf dem Trockenen, wo Länglich- und Gliederlosigkeit zum Vorteil wurde, wenn ein Tier vornehmlich in engen Räumen lebte und jagte? Im Wasser, wo die Rückbildung von Gliedmaßen der Stromlinie zugute gekommen sein mag?

Man vermutet, dass die Entwicklung der Schlangen irgendwann in der ersten Hälfte des Jura begann. Vor etwa 150 Millionen Jahren, an der Schwelle vom Jura zur Kreide, traten dann erste längliche Arten auf, deren Gliedmaßen deutlich zurückgebildet waren. Erst mit Beginn der Kreidezeit aber scheint es Arten gegeben zu haben, die unstrittig Schlangen waren.

Ihre Vorfahren sollen waranartige Echsen gewesen sein, sogenannte Varanomorpha. Zu denen aber zählten nicht nur landlebende Tiere, aus denen sich später unter anderem die Warane entwickelten, sondern auch die „Meeressaurier“ aus der Gruppe der Mosasauroidea.

Die bekanntesten, weil mächtigsten unter ihnen waren die Mosasaurier, die etwa zu gleicher Zeit wie die ersten frühen Schlangen lebten. Wie Schlangen schluckten auch die meisten Arten der Mosasaurier ihre Beute unzerkaut und ganz. Ein Gelenk im Unterkiefer machte es ihnen möglich, ihr Maul ungewöhnlich weit zu öffnen, auch das eine Parallele zu Schlangen.

Schlanke aber kräftige Wesen waren das, mit langen, abgeflachten Schwänzen und zu Flossen umgebildeten Gliedmaßen. Sie erscheinen uns wie beängstigende Kreuzungen von Wal und Krokodil. Entwickelten sich Schlangen aus dieser Linie? Könnten Schlangen enge Verwandte dieser mächtigen Bestien sein? Man kann es sich ohne große Probleme vorstellen.

Tetrapodophis, die vierfüßige Schlange - Doch eine gerade im Wissenschafts-Fachblatt „Science“ veröffentlichte Studie behauptet das Gegenteil. Schlangen, davon sind David M. Martill und seine Forschungspartner überzeugt, entwickelten sich an Land. Im heutigen Brasilien fanden sie in einer Gesteinsschicht, die auf die frühe Kreidezeit datiert wird (145 bis 100 Millionen Jahre) ein Fossil, das sie Tetrapodophis amplectus nannten.

„Tetrapod“ bedeutet „Vierfüßer“, das „ophis“ ist das griechische Wort für Schlange, und „amplectus“ bedeutet auf Latein „umarmt“. Das macht Tetrapodophis zu der Schlange, die mit vier Beinen umarmte - ein Name, der die vermutete Jagdweise höchst bildlich umschreibt.

Doch nicht nur das macht diese frühe Schlange zu einem echten Unikum: Es gibt ältere Funde früher Schlangen mit rudimentären Gliedmaßen. Es gab aber bisher keinen Fund, der so vollständig und eindeutig Schlange war und trotzdem noch über echte, wenn auch deutlich verkleinerte Gliedmaßen verfügte.

Bisher hatten alle gefundenen fossilen Schlangen, die über mehr als 70 Wirbel vor Beginn des Schwanzes verfügten, zumindest ihre Vorderglieder vollständig zurückgebildet. Man ging deshalb davon aus, dass dies eine Art Grenze sei: Für ein derart „verlängertes“ Tier scheinen zumindest Vorderglieder zum Hindernis bei der Fortbewegung zu werden.

Tetrapodophis stellt hier eine echte Ausnahme da. Die Forscher zählen 160 Wirbel vor Beginn des Schwanzes. Und doch verfügte diese vierfüßige Schlange über Vorder- wie Hinterbeine, und daran auch noch über voll ausgebildete, mit jeweils fünf Gliedern ausgestattete Hände.

Das aber, behauptet die Gruppe, deute neben Merkmalen des Kopfes, des Brustkorbes und des Schwanzes darauf hin, wo sich die Vorfahren von Tetrapodophis entwickelt haben könnten: Weder im Wasser, noch auf dem Land, sondern darunter.

Schlangen, glauben Martill und Co, entwickelten sich aus Erdhöhlen grabenden und darin lebenden Vorfahren. Es klingt höchst plausibel: Für ein Reptil, das sich durch Erdhöhlen windet, ist Schlankheit offensichtlich ein Vorteil. Eine ganze Reihe von Schlangenarten tut dies heute noch, oder okkupiert und nutzt die Bauten anderer grabender Tiere. Die Diskussion über die Herkunft der Schlangen wird weitergehen, aber Tetrapodophis liefert starke Indizien für Theorien, die den Beginn des Schlängelns nicht im Wasser sehen.

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