Schwerelosigkeit verändert Astronautenhirne
Baku, den 13. März (AZERTAG). Die Muskeln schwinden, die Knochendichte nimmt ab - doch das ist nicht alles, was in der Schwerelosigkeit mit dem Körper passiert. Auch Augen und Gehirn von Astronauten verändern sich. Mediziner befürchten ein neues Problem für zukünftige Langzeitmissionen.
Eine Untersuchung von 27 Astronauten, die durchschnittlich 108 Tage an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) oder in einem Space Shuttle verbracht haben, kommt zu einem beunruhigenden Ergebnis: Längere Aufenthalte in der Schwerelosigkeit können offenbar zu Veränderungen an Augen und Gehirn führen.
Wie Forscher der University of Texas in Houston im Fachblatt „Radiology“ schreiben, ähneln die Veränderungen der sogenannten intrakraniellen Hypertension. Bei diesem Problem, das vor allem übergewichtige Frauen betrifft, steigt im Schädel aus bisher ungeklärten Gründen der Hirnwasserdruck. Das kann etwa Kopfschmerzen auslösen oder die Sehnerven schädigen.
Sehnerv ausgewölbt, Augapfel abgeflacht: Bisher war bekannt, dass Aufenthalte im Weltraum die Knochendichte und die Muskelmasse schwinden lassen. Jetzt haben die Forscher Gehirn und Augen von Raumfahrern per Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Auffällige Befunde fanden sie vor allem bei jenen Astronauten, die mehr als 30 Tage in Folge in der Schwerelosigkeit verbracht hatten. Bei jedem Dritten hatte sich die Hirnflüssigkeit im Bereich der Sehnerven ausgedehnt, bei gut jedem Fünften war die Rückseite des Augapfels abgeflacht, und bei etwa jedem Siebten war der Sehnerv ausgewölbt.
Außerdem fanden die Wissenschaftler bei elf Prozent der untersuchten Raumfahrer Veränderungen der Hirnanhangdrüse, in der verschiedene Hormone gebildet und gespeichert werden. Die Auffälligkeiten könnten die Dauer von Reisen im Weltraum begrenzen, erklärte der an der Studie beteiligte Radiologe Larry Kramer. Beispielsweise müsste man das Phänomen bei einem bemannten Flug zum Mars beachten.
Die Nasa habe bereits Veränderungen des Sehvermögens bei manchen Astronauten festgestellt, kommentierte William Tarver vom Johnson Space Center der US-Weltraumbehörde. Die Ursache sei noch nicht geklärt. Die Nasa habe das Problem auf der Liste der Risiken in der bemannten Raumfahrt hoch angesiedelt und werde die Situation weiter aufmerksam verfolgen. Auch andere Weltraumbehörden beschäftigen sich mit dieser medizinischen Fragestellung. Gegenüber dem britischen „Guardian“ teilte die europäische Raumfahrtagentur Esa mit, dass alle bei ihren Astronauten beobachteten Symptome innerhalb von Wochen oder Monaten nach der Landung auf der Erde wieder abgeklungen seien.