Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Touristische Hinweise

"Soviel ich habe in Erfahrung bringen können", berichtet der Reisende Freiherr Max von Thielmann über seine Kaukasusreise im Jahr 1872, "ist die Zahl der europäischen Vergnügungsreisenden im Kaukasus bis jetzt eine äußerst geringe: mit zwanzig bis dreißig jährlich ist sie eher zu hoch als zu niedrig angeschlagen und auch von dieser mäßigen Zahl bewegt sich der weitaus größte Teil auf der gebahnten Straße, ohne in das Land selbst einzudringen. an Großartigkeit steht es freilich keinem mir bekannten Lande nach, und seinen Hauptreiz, die urwüchsige Natur, kann nur der gebührend schätzen, der sie selbst gesehen hat.Ich selbst kann den Kaukasus jedem Freunde der Natur dringend zum Besuche empfehlen, und kann versichern, dass ein solcher nie unbefriedigt von dort zurückkommen wird."

Heute werden im Kaukasus wesentlich mehr Besucher gezählt als vor 120 Jahren. In den letzten Jahren, insbesondere seit der Beendigung der Kriegshandlungen, öffnet sich Aserbaidschan verstärkt dem Tourismus. Zu Sowjetzeiten galt Aserbaidschan ohnehin bereits als bekannte Urlaubs- und Kurregion. So reisten im Jahr 1985 mehr als 525.000 Menschen aus allen Teilen der Sowjetunion zu Kur- und Urlaubsaufenthalten in die Urlaubsgebiete von Aserbaidschan. Das erste Kursanatorium in Aserbaidschan wurde im Jahr 1924 in Mardakan am Meer eröffnet - dort, wo früher die Paläste der Ölindustriellen von Baku standen. Das Land verfügt über 150 Kilometer reinen Sandsstrand am Kaspischen Meer, die Bedingungen dort gelten als klimatisch und balneologisch günstig - das Klima an der Westküste wird dem Mittelmeertyp zugeordnet -, und das Wasser des Kaspischen Meers ist reich an mineralischen Salzen.

Als in der ganzen Welt einzigartig gilt das Vorkommen des heilenden Erdöls Naftalan in Aserbaidschan, von dem und dessen gesundheitsfördernder Anwendung bereits Marco Polo nach seiner Erkundung der Region berichtet hat. Im letzten Jahrhundert organisierten gar deutsche Unternehmer die Gewinnung und den Export des Heilerdöls nach Europa. An dem Ort des Vorkommens des Erdöls ist im Laufe der Zeit der Kurort Naftalan entstanden. Mit dem Erdöl, das äußerliche Anwendung findet, werden insbesondere Rheuma, Hautkrankheiten und Erkrankungen des Nervensystems behandelt. In Naftalan steht auch ein in seiner Art einzigartiges Museum: Dort können jene Krücken besichtigt werden, die K ranken dagelassen haben, weil sie diese Krücken nach der Behandlung nicht mehr brauchten. Naftalan - so heißt auch das balneologische Heilzentrum, das in der ganzen Sowjetunion für seine Heilerfolge bekannt war. Es liegt 340 Kilometer westlich von Baku. Die Heilerfolge, die dem sogenannten "weißen Erdöl" zugeschrieben werden, das hier aus den Tiefen der Erde gewonnen wird, sind noch restlos erforscht, so dass immer wieder neue Meldungen aus Naftalan in die Welt dringen.

Auch die Mineralbäder von Aserbaidschan genießen Bekanntheit über die Republik hinaus. Das Land ist reich an Mineralwasserquellen - die bekanntesten sind die Quellwassersorten Badamly, Sirab und Darydag sowie die Heilwassersorten Turschsu, Istisu und Galaalti.

Wie sehr Aserbaidschan im Gesamtbild der ehemaligen Sowjetunion das Attribut Heil-, Kur- und Urlaubsregion zugeschrieben wurde, zeigt sich daran, dass die Unionsregierung in Moskau an der aserbaidschanischen Küste des Kaspischen Meeres eine Kurortzone mit Bedeutung für die gesamte Sowjetunion einzurichten vorhatte. Nach den politischen Umwälzungen, der staatlichen Unabhängigkeit und den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, in dessen Folge viele Hunderttausende aserbaidschanische Flüchtlinge wenigstens notdürftig mit Wohnungen zu versorgen waren, wurden jedoch in zahlreichen Sanatorien, Kurheimen und Touristenanlagen Kriegsflüchtlinge untergebracht. Diese wohnen zum Teil bis heute in manchen Hotels und Anlagen und warten auf den Tag, an dem sie in ihre Heimatgebiete zurückkehren werden. Trotzdem setzen die politische Führung des Landes und inzwischen auch private Reiseanbieter in Aserbaidschan auf die touristische Attraktivität des Landes. Insbesondere die Gesellschaft "Improtex - Travel, Tours and Conferences" -, gegründet 1991 und einer der führenden Reiseveranstalter in Aserbaidschan, bietet Kultur- und Abendtouren durch Aserbaidschan, die für den Individualreisenden von Interesse sein können.

Improtex wirbt auch mit dem, was dieses Land neben den Schönheiten von Natur, Kultur und Landschaft so attraktiv macht: mit der Gastfreundschaft der Menschen. In Baku gibt es inzwischen Hotels, die den Vergleich mit westeuropäischem Niveau nicht scheuen müssen - an der Spitze das "Hotel Hyatt Regency", "ISR Plaza-SAS Radisson", "Oasis" oder "Grand Europe Hotel", Fünf-Sterne-Hotels und nur fünf Minuten von der Innenstadt entfernt, mit allem denkbaren Komfort. Die Übernachtung in Baku gibt es aber auch billiger und trotzdem mit Niveau: die Hotels "Intourist", "Azerbaijan" oder "Absheron" sind alle relativ zentral gelegen, wurden umfangreich modernisiert und sind idealer Ausgangspunkt, die Stadt und das Land kennenzulernen.

Die Reiseveranstalter bieten zumeist komplette Programme. Sei es ein Baku-Sight-Seeing von zwei Stunden Dauer, eine Führung durch die Altstadt "Itscheri Scheher" von drei Stunden oder eine Fahrt zum Feuertempel Ataschgah - die Touristen werden von Fachleuten geführt und in ihrer Sprache betreut. Auch eine kleine Kreuzfahrt durch die Bucht von Baku im Kaspischen Meer ist möglich oder ein Besuch des Naturdenkmals "Gobustan", der Felsenschlucht mit den antiken Zeichnungen, die 10 000 Jahre alt sind. Mehrtägige Fahrten, die von Baku ausgehen, werden von den Reiseveranstaltern organisiert - sie bieten alles, um das Land von seiner besten vielfältigen Seite kennenzulernen: Kultur, Folklore und Kulinarisches. Eingekehrt wird in landestypischen Häusern, und die Gastfreundschaft der Menschen lässt die Gäste sich überall wohl fühlen.

Eine der beliebten Ausfahrten geht über die Stadt Shamakhy nach Lahic, die andere über Shamakhy nach Pirguli. Die antike Stadt Shamakhy liegt auf etwa 800 Metern über dem Meeresspiegel am Südhang des großen Kaukasusgebirges im Norden der Republik Aserbaidschan. Die Stadt wurde im 6. Jahrhundert gegründet und war die Hauptstadt der einflussreichen "Schirwan Shahs" (mittelalterlicher aserbaidschanischer Staat). Es gibt hier zahlreiche Denkmäler und Gebäude zu besichtigen, die auch die dramatischen Erdbeben in der Geschichte der Stadt überstanden haben: die "Freitagsmoschee" aus dem 10. Jahrhundert, das "Yeddi-Gumbez-Mausoleum", das 1402 gebaut wurde, und die Ruinen der Burg von Gulistan, die im 11. und 12. Jahrhundert errichtet wurde. In Pirgulu steht das größte astronomische Teleskop der Region. Für lange Zeit war Shamakhy einer der wichtigsten Haltepunkte der berühmten Seidenstraße, des Handelswegs von Europa in den Fernen Osten. In Shamakhy wurden zahlreiche berühmte aserbaidschanische Dichter wie Khagani, der im 12. Jahrhundert lebte, Nassimi, im 14. Jahrhundert, und Sabir (1862-1911) geboren. Die Umgebung von Shamakhy ist reich an grünen Wäldern. Das Klima ist mild und angenehm. Die Bevölkerung arbeitet zum großen Teil in den Weinbergen, in der Viehzucht oder in der Landwirtschaft.

Die Küste von Khachmaz und Yalama sind andere Ziele, die in Ein- oder Zweitagestouren von Baku aus besichtigt werden können. Die Küste des Kaspischen Meeres im Nordosten von Aserbaidschan gehört zu den schönsten Küstenteilen des gesamten Meeres. Die abwechslungsreichen Uferformationen mit Wäldern, die bis an das Ufer heranreichen, und mit den gar nicht weit entfernten Mineralwasserquellen zählen zu den attraktivsten Landstreichen Aserbaidschans überhaupt. Gemüse und Obst sind die Erzeugnisse dieser Region, wobei aus den Früchten auch hervorragende Fruchtsäfte gemacht werden. Ebenso Fischfang und Viehzucht werden hier betrieben. Khachmaz ist bekannt für seine historischen Ausgrabungen, bei denen antike Gräber aus der Bronzezeit entdeckt wurden - Funde aus den Gräbern können im historischen Museum von Khachmaz besichtigt werden. Die Tour kann noch weitergeführt werden nach Kuba, weiter im Norden - in jene Stadt, die bekannt für ihre architektonischen Eigenheiten wie die "Juma-Moschee" und die "Moschee von Sakine-Khanum" ist. Auch das historische Museum in Kuba, das nach dem großen aserbaidschanischen Denker Bakikhanov benannt ist, lohnt einen Besuch.

Eine der ältesten Siedlungsstätten und eines der Zentren aserbaidschanischer Kultur ist Sheki im Nordwesten des Landes. Die Stadt wurde vor über 2.700 Jahren in den südlichen Ausläufern des Großen Kaukasus gegründet und liegt rund 370 Kilometer von Baku entfernt. Besonders architektonisches und kulturelles Denkmal ist der Königspalast des Sheki Khans, der 1762 erbaut wurde, sowie die Burg "Gälasän Göräsän". Der gesamte Palast wurde ohne einzigen Nagel gebaut und gehört zu den herausragenden Gebäudeensembles dieser Epoche.

Über Jahrhunderte hinweg war Sheki bekannt als Zentrum der Seidenraupenzucht. Auch Tabak, Früchte, Gemüse und Korn werden hier seit Urzeiten angebaut. Ein historisches Museum, Karawaneserien, die als Hotel restauriert sind, die Arbeiten von Juwelieren und nicht zuletzt die Süßspeisen sind nicht nur in Sheki, sondern im ganzen Land bekannt.

Lenkoran im Süden Aserbaidschans, rund 350 Kilometer von Baku, liegt an der Küste des Kaspischen Meeres. In früheren Zeiten war Lenkoran über mehrere Jahrhunderte hinweg das Zentrum eines Herrschaftsgebietes, des "Talysch Khanlyg". Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeugen noch von dieser Zeit. "Unser Weg zog sich nun stets längs des Meeres hin", schreibt Freiherr Max von Thielmann über seinen Besuch in Lenkoran im Jahr 1872, "meist so nah, dass die Wellen die Hufe unserer Pferde bespülten, zu unserer Rechten hatten wir bald undurchdringliches, üppig grünes Gebüsch, bald weite rohrbewachsene Sümpfe, von einer Unzahl von Wassergeflügel, Enten, Pelikanen und schönen weißen Löffelreihern belebt. Später führte der Weg durch Wälder von wilden Granatbäumen, deren reife Früchte zur Verfügung jedes Wanderers standen; der angenehm säuerliche Geschmack der saftigen Kernhülle ist namentlich an heißen Tagen erfrischend und gilt die Frucht auch in fieberreichen Gegenden als durchaus ungefährlich." Eine weitere Attraktion gab es bis zum Anfang dieses Jahrhunderts in Lenkoran: die Tigerjagd. Max Freiherr von Thielmann berichtet von seiner Reise: "...Unser Gespräch ging sodann auf Lenkorans Berühmtheit, die Tigerjagd, über: er teilte mir aber zu meiner Enttäuschung mit, dass in Folge hoher Schussprämien der Tiger in seinem Kreise so sehr abgenommen habe,, dass es ihm selbst in den drei Jahren seines Aufenthalts noch nicht gelungen sei, ein gutes Fell aufzutreiben; einzelne schwäche Exemplare würden allerdings noch jedes Jahr geschossen. Im Übrigen scheint der Tiger sowohl hier als auch in den persischen Provinzen Gilan und Mazandaran viel harmloser zu sein als in Ostindien..."

Das subtropische Klima von Lenkoran und die fruchtbaren Böden dieser Gegend lassen hier verschiedene Zitruspflanzen, Tee, Reis und eine Vielzahl an Gemüsen wachsen. Auch für seine Nationalparks ist Lenkoran weit bekannt - in "Gizilagadsch" beispielweise können über 250 verschiedene Arten von Pflanzen, 30 seltene Arten von Fischen und mehr als 220 verschiedene Vogelarten beobachtet werden. Der "Gyrcan-Nationalpark" ist bekannt für seine Bäume aus antiker Zeit wie den "Demir-Agadsch" (den "Eisernen Baum") und "Samschit" (Schachtel-Baum). In dieser Gegend wohnen viele Menschen, die über 100 Jahre alt sind.

Für Reisenden im Land gibt es noch eine Vielzahl von Angeboten, beispielweise Kreuzfahrten auf Motorbooten oder Segelbooten mit Fischfang im Kaspischen Meer, Entdeckungsreisen auf den Spuren der aserbaidschanischen Kunst, Kultur und Anthropologie, religiöse Studienreisen oder gastronomische und folkloristische Unternehmungen, Sport- und Abenteuerreisen vom Bergstein und - wandern bis zur Unterwasserjagd im Kaspischen Meer.

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