Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Britische Ägyptologen acht Mumien in einen Computertomografen gelegt

Baku, den 17. April (AZERTAG). Für eine Ausstellung haben britische Ägyptologen acht Mumien in einen Computertomografen gelegt. Dabei entdeckten sie einige Überraschungen: ein Werkzeug im Schädel, verstopfte Arterien und ein Tattoo an einem delikaten Ort.

Jahrtausendelang lagen die Mumien sicher eingewickelt in ihren Leinenbinden. Doch in einer neuen Ausstellung will das British Museum in London seinen Besuchern mehr zeigen als nur die Hülle aus zerscheuertem Stoff. Unter die Wickel sollen sie sehen können, unter die Haut und sogar noch bis in das Innerste: in den Kopf, in den Bauch, sogar bis tief hinein in die Arterien.

Möglich macht diesen Striptease eine neue Generation von medizinischen Computertomografen mit einer extrem hohen Auflösung. Deren Daten rechnet eine Software in 3D-Modelle um, die sonst für modernes Autodesign eingesetzt wird.

Erzengel am Oberschenkel - Beim Blick unter die Leinenbinden fanden die Forscher einiges, das selbst zu Lebzeiten der Toten ein gut gehütetes Geheimnis war. Um 700 nach Christus zum Beispiel, in Nubien, dem heutigen Sudan. Dort lebte eine Frau, deren Mumie nun in London untersucht wurde. Wohl kaum jemand, der sie kannte, wird gewusst haben, was sich auf der Innenseite ihres rechten Oberschenkels befand.

Der Scan zeigt deutlich eine Tätowierung: die ineinander verschachtelten Buchstaben M-I-X-A-H-A, altgriechisch für Michael, den Erzengel. „Wir wissen nicht, warum die Frau diesen Ort für die Tätowierung wählte“, sagt Kurator Daniel Antoine. „Sie könnte eine religiöse Figur gewesen sein. Oder die Tätowierung sollte sie beschützen, denn der Heilige Michael war der Schutzheilige des mittelalterlichen Nubiens.“

Es ist nicht der erste Nachweis von Tätowierungen am Nil. Schon im Mittleren Reich, zu Zeiten der 11. und 12. Dynastie zwischen 2137 und 1781 vor Christus, rieben die Menschen sich Tinte unter die Haut. Erst vor wenigen Jahren fanden Ausgräber auf einem Friedhof in Hierakonpolis eine Frau, die mit geometrischen Mustern tätowiert war - Rauten zierten ihre linke Hand und den linken Arm, den Oberkörper umschlang eine gepunktete Zickzacklinie.

Verkalkte Arterien - Später dann, als die griechischen Ptolemäer in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende über Ägypten herrschten, ließen die Anhänger des Gottes Dionysos sich Efeublätter in die Haut stechen. „Aber aus dem mittelalterlichen Sudan ist dies die erste Tätowierung, die wir kennen“, sagt Antoine. „Sie ist außerdem einzigartig, weil sie ein christliches Symbol darstellt.“

Das Symbol an sich ist altbekannt. Die Nubier schrieben den Namen ihres Schutzheiligen auf Kirchenwände und ritzten es in Keramik. Aber als Tätowierung war es den Archäologen bisher noch nie untergekommen.

Ihr Inneres verrät noch weitaus mehr über ihr Leben - und vielleicht auch Sterben. „Sie war mindestens 35 Jahre alt, als sie starb“, berichtet der Kurator. „In ihrer Oberschenkelarterie fanden wir Verkalkungen - eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das könnte die Folge einer Ernährung gewesen sein, die reich an tierischen Fetten war.“

An Arterienverkalkung litt auch eine weitere Frau, der die Besucher der neuen Ausstellung unter die Haut schauen können. Die Sängerin namens Tamut lebte bereits 1600 Jahre vor der tätowierten Christin im ägyptischen Theben. Auch bei ihr ist es wahrscheinlich, dass die Ernährung nicht ganz unschuldig an ihrem Tod war.

Spatel im Schädel - Doch während die Nubierin entsprechend christlicher Sitte bestattet war, bekam die Tote aus Theben ein ägyptisches Begräbnis nach allen Regeln der Mumifizierungskunst. In die Leinenbinden um den toten Körper wickelten die Einbalsamierer magische Amulette. Die werden auf den Scans sichtbar und können interaktiv von den Ausstellungsbesuchern entdeckt und begutachtet werden.

Weniger magisch ist ein Fund aus dem Schädel einer Mumie, die Einbalsamierer um 600 vor Christus ebenfalls in Theben für die Ewigkeit vorbereiteten. Auf den CT-Scans entdeckten die Forscher dort einen Spatel. Die Einbalsamierer hatten das Werkzeug vergessen - oder zurücklassen müssen, weil es versehentlich in die Schädelhöhle gerutscht und nicht mehr herauszubekommen war.

Der Tote litt zu Lebzeiten unter heftigen Zahnschmerzen, wie eine 3D-Rekonstruktion seines Unterkiefers zeigt. Der Knochen ist voller Spuren der gärenden Abszesse, die ihn sehr gequält haben müssen.

 

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