Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Katastrophen suchen meist arme Länder heim

Baku, 16.September (AZERTAG). Eine neue Rangliste zeigt, dass Katastrophen meist arme Länder heim suchen. Stürme, Erdbeben, Fluten oder Dürren werden oft erst dann zum Desaster, wenn Bewohner sich nicht ausreichend gegen die Gefahren schützen können.

Die Rangliste der gefährdeten Länder wurde von Wissenschaftlern der Universität der Vereinten Nationen (UNU) und Entwicklungshelfern erstellt. Auftraggeber ist das Bündnis Entwicklung Hilft. Der sogenannte Weltrisikoindex 2014, der am Dienstag in der Hauptstadt Deutschlands Berlin vorgestellt wurde, zeigt: Vor allem in Städten, die rapide wachsen, sind Menschen bei Naturkatastrophen großen Gefahren ausgesetzt.

Dieses Phänomen erklären die Experten so: Wenn in einer Stadt planlos illegale Siedlungen entstehen, sind die Frühwarnsysteme und Möglichkeiten zur Bewältigung von Naturkatastrophen besonders schlecht. Die Stadt mit dem höchsten Bevölkerungswachstum ist derzeit die 2,1-Millionen-Einwohner-Stadt Ouagadougou in Burkina Faso - das Land steht auf Rang 41 im Risikoindex.

Auf Platz 1 mit dem größten Risiko findet sich dieses Jahr der Inselstaat Vanuatu im Südpazifik, gefolgt von den Philippinen, Tonga, Guatemala und Bangladesch. Erwartet werden dort Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Stürme, Vulkanausbrüche und Erdrutsche. Am sichersten vor Naturgewalten ist man in Katar und Malta. 22 Länder wurden wegen Datenmangels nicht bewertet.

Im Vergleich zu den Risiken, mit denen die Menschen in den besonders schnell wachsenden Städten Afrikas und Asiens leben, sind die Gefahren, denen man in Deutschland ausgesetzt ist, jedoch gering. Allerdings berücksichtigt der Index nur Risiken, die mit Naturkatastrophen und den Kapazitäten zur Bewältigung von Naturereignissen wie Erdbeben oder Hochwasser zusammenhängen. Politische Risiken fließen in die Berechnung nicht mit ein.

Von den hochentwickelten Staaten steht Japan mit Platz 17 am weitesten oben auf der Liste, obwohl die Industrienation bei den Sicherungsmaßnahmen an der Weltspitze liegt. Doch Japan wird von geologischen Kräften in die Zange genommen, wie das schwere Tsunami-Beben im März 2011 gezeigt hat.

Auch die Niederlande, in der Rangliste auf Platz 51, sind bedroht. Zwar schützen Deiche das Land. Doch der anschwellende Meeresspiegel werde zunehmend zu Gefahr, heißt es im Risikobericht. Etwa ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Griechenland auf Platz 71 ist dem Report zufolge ein weiteres westliches Land, das mit einem größeren Risiko leben muss - vor allem Beben und Tsunamis gefährden den südeuropäischen Staat.

Die Rangliste mit ihren exakten Zahlen suggeriert zwar wissenschaftliche Präzision. Doch die Kalkulationen des Weltrisikoreports fußen eigentlich auf groben Abschätzungen. Die Wissenschaftler der UNU haben für den Weltrisikobericht unter anderem Daten aus folgenden Bereichen ausgewertet:

Ein Katastrophenrisiko sei sowohl auf die Gefährdung durch Naturgefahren als auch auf die Verwundbarkeit der Gesellschaft zurückzuführen. Dieses Gesetz zeigte sich 2010, als nacheinander Großstädte in Haiti und Neuseeland von Erdbeben ähnlicher Art getroffen wurden: In Haiti starben Hunderttausende Menschen, in Neuseeland blieb es bei Gebäudeschäden. Bei einem weiteren Beben 2011 in Neuseeland gab es dann allerdings auch Todesopfer.

In Neuseeland werden Häuser seit Jahrzehnten auf Erschütterungen vorbereitet. Und in wirtschaftlich starken Nationen wie Japan oder den USA werden seit Jahrzehnten hohe Summen in die erdbebensichere Architektur der Gebäude investiert.

Experten schlagen diverse Vorkehrungen vor: Größere Neubauten wie Schulen sollten in armen Ländern zu Notunterkünften für Wirbelsturm-Betroffene umfunktioniert werden können. Straßen müssten bei einem Taifun auch als Entwässerungskanäle fungieren - wie bereits mancherorts in Japan. Behörden sollten Bürger zudem umfassender vor Gefahren warnen.

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