Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Forscher manipulieren Erbgut menschlicher Embryonen

Baku, 24. April, AZERTAC

Mit einer einfachen Methode haben Forscher das Erbgut menschlicher Embryonen verändert. Die Technik soll helfen, Erbkrankheiten zu heilen. Kritiker fordern den Stopp der ethisch heiklen Experimente.

Zunächst gab es nur Gerüchte: „Es wird vermutet, dass Forscher die DNA von menschlichen Embryonen gezielt manipuliert haben“, schrieben Forscher im März im Fachmagazin „Nature“. Sie warnten vor den Versuchen, die das menschliche Erbgut über Generationen hinweg verändern könnten. Nun kam die Bestätigung: Ein Experiment hat offenbar bereits stattgefunden, die Ergebnisse haben chinesische Forscher im Fachmagazin „Protein & Cell“ veröffentlicht. Experten vermuten, dass weitere in Gang sind.

Forscher hoffen, mithilfe gezielter Genveränderungen Erbkrankheiten behandeln zu können. Bereits 2008 hatten Wissenschaftler über ähnliche Versuche berichtet und Protest ausgelöst. Das Besondere an der nun eingesetzten Technik mit dem Namen CRISPR: Sie ist leicht zugänglich und erlaubt sehr präzise Manipulationen.

„Mit CRISPR kann man komplexe Genome besonders simpel und schnell verändern2, erklärt Martin Zenke, Biotechnologe von der RWTH Aachen. Die Werkzeuge gebe es für 50 Euro im Internet. Das macht es prinzipiell noch einfacher, menschliche Gene nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Kritiker befürchten, dass Designerbabys geschaffen werden könnten.

Zudem greift man über die Gene des Embryos in das Erbgut aller Körperzellen ein, die aus den Zellen des Embryos heranwachsen. Auch Spermien und Eizellen sind betroffen und damit die Erbanlagen, die an künftige Generationen weitergegeben werden.

Das könnte unvorhersehbare Folgen für die Kinder, Enkel und späteren Verwandten haben, so Kritiker. Zudem warnen sie davor, die Methode könne in falsche Hände geraten. „Der leichte Zugang und die einfache Handhabe von CRISPR gibt Forschern die Möglichkeit, überall auf der Welt jeden Versuch zu machen, den sie wollen“, warnt Edward Lanphier, Geschäftsführer der Biotech-Firma Sangamo BioSciences auf der Webseite von „Nature“.

Im Wesentlichen arbeitet CRISPR mit Enzymen, die an den gewünschten Stellen im Erbgut andocken und einzelne Bausteine oder Abschnitte herausschneiden oder einfügen. Bei älteren Methoden mussten Gene beispielsweise noch mithilfe von manipulierten Viren ins Erbgut gebracht werden - sie an die richtige Stelle zu lotsen, war deutlich komplizierter.

Große Sicherheitsrisiken - Alle Probleme lassen sich jedoch auch mit CRISPR derzeit nicht beheben, wie auch das umstrittene Experiment von Junjiu Huang von der Sun Yat-sen University in Guangzhou zeigt. Die Forscher manipulierten nach eigenen Angaben 86 Embryonen, die in einer Fruchtbarkeitsklinik als nicht überlebensfähig aussortiert worden waren. 71 überstanden die Prozedur, von den 54 anschließend untersuchten war die Behandlung bei weniger als 28 erfolgreich.

Außerdem fanden die Forscher überraschend viele Genveränderungen, die nicht geplant waren und dem Organismus schaden könnten. „Wenn man die Methode in einem überlebensfähigen Embryo anwenden möchte, braucht man eine Erfolgsrate von fast 100 Prozent“, erklärt Huang auf der „Nature“-Webseite. Die Forscher hätten die Versuche mit den Embryonen vorerst gestoppt, um ihre Methode zu verbessern.

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