Passivraucher haben wie Raucher ein erhöhtes Risiko an Lungenkrebs zu erkranken
Baku, 7. März, AZERTAC
Das Kino in Mainz ist gut durchlüftet, Rauchen darf man dort seit 15 Jahren nicht mehr. Trotzdem waberten schon kurz nach Filmbeginn gesundheitsschädliche Chemikalien wie 2,5-Dimethylfuran durch die Luft, zeigen Messungen des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Yale University. Raucher hatten den Dunst in ihrer Kleidung, ihren Haaren und auf ihrer Haut in den Kinosaal geschleppt.
Die Belastung war so hoch, als hätte das Publikum bis zu zehn Zigaretten passiv mitgeraucht, berichten die Forscher nun im Fachblatt "Science Advances". Sie hatten an vier Tagen in Folge die Luftqualität in dem Mainzer Kino gemessen. In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ist auch der Sitz des Max-Planck-Instituts.
Passivrauchen erhöht Risiko für Krebs, Schlaganfall und Infekte - Die Messungen verdeutlichen das Problem des sogenannten Rauchens aus dritter Hand, vor dem kein Zigarettenverbot schützt. Anders als beim klassischen Passivrauchen muss man nicht einmal danebenstehen, wenn jemand qualmt, um ungewollt schädliche Stoffe einzuatmen. Es reicht, sich im selben Raum mit einem Raucher aufzuhalten.
In Deutschland konsumieren etwa 27 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen Tabak, schätzt die WHO. Pro Jahr sterben hierzulande etwa 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.
Die Forscher sind sich sicher, dass Kinobesucher die Schadstoffe ausdünsteten, weil die Konzentration anstieg, als sich der Saal füllte. Nach dem Film sank sie dagegen wieder. Zudem war die Belastung in Filmen für Kinder deutlich geringer.
Tabakrauch enthält 90 toxische oder krebserregende Substanzen, die auch Nichtraucher einatmen. Das hat Folgen:
- Passivraucher haben wie Raucher ein erhöhtes Risiko an Lungenkrebs zu erkranken
- Sehr wahrscheinlich steigt auch das Risiko für Brustkrebs - gerade bei jungen Frauen - sowie das Krebsrisiko in den Nasennebenhöhlen
- Passivrauchen erhöht das Schlaganfallrisiko um etwa 20 bis 30 Prozent
- Wer unbeabsichtigt mitraucht, ist anfälliger für Infekte
Nach Einführung der Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen, auf Bahnhöfen und in Gaststätten ist die Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen in Deutschland gesunken. Allerdings machten sie im Jahr 2017 noch immer 7,6 Prozent der männlichen und 4,7 Prozent der weiblichen Lungenkrebs-Todesfälle bei Nichtrauchern aus.