Welttag der Ozeane am 8. Juni
Baku, 8. Juni, AZERTAC
Ozeane unter Druck: Klimawandel, Überfischung und Plastikmüll bedrohen marine Ökosysteme - Die Weltmeere befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Neben den Folgen des Klimawandels bedrohen insbesondere Überfischung und die zunehmende Vermüllung der Ozeane zahlreiche Meereslebewesen. Vor allem Kunststoffabfälle entwickeln sich zu einer der größten Umweltgefahren unserer Zeit. Zum Welttag der Ozeane am 8. Juni rückt deshalb erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie Plastikmüll und Mikroplastik marine Ökosysteme verändern und welche Maßnahmen notwendig sind, um die Meere langfristig zu schützen.
Die Ozeane dienen zunehmend als Sammelbecken für Plastikabfälle – sowohl an der Wasseroberfläche als auch in den Tiefen der Meere. Nach Angaben des WWF im März 2026 befinden sich weltweit inzwischen zwischen 80 und 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. Jährlich gelangen zusätzlich rund 19 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in Gewässer und Meere. Umweltorganisationen und internationale Institutionen warnen zudem davor, dass sich die Menge an Plastikmüll in den Ozeanen bis 2050 so massiv erhöhen könnte, dass es nach Gewicht berechnet mehr Plastik im Meer gäbe als Fische.
Gewaltige Müllstrudel entstehen durch Meeresströmungen - Ein erheblicher Teil des Plastikmülls sammelt sich in subtropischen und äquatorialen Meeresregionen. Dort treffen große Meeresströmungen aufeinander und bilden riesige Wirbel, in denen sich Kunststoffabfälle konzentrieren. Wissenschaftlerinnen haben bislang fünf große Müllstrudel identifiziert: zwei im Atlantik, jeweils einen im Indischen Ozean, im Südpazifik und im Nordpazifik.
Besonders bekannt wurde der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik. Der Ozeanograf Charles Moore entdeckte das Gebiet 1997 zwischen Hawaii und Kalifornien. Inzwischen gilt der Müllstrudel als eines der sichtbarsten Symbole der weltweiten Plastikverschmutzung. Forschende schätzen, dass dort rund 80.000 Tonnen Plastik auf einer Fläche von etwa 1,6 Millionen Quadratkilometern treiben – ein Gebiet, das mehr als viermal so groß ist wie Deutschland.
Plastikabfälle gefährden Tiere in allen Meeresregionen - Die sichtbaren Müllmengen an der Oberfläche machen allerdings nur einen Teil des Problems aus. Schätzungen zufolge sinkt der überwiegende Anteil des Kunststoffs auf den Meeresboden ab. Auf dem Weg dorthin geraten zahlreiche Meerestiere in Gefahr. Meeresschildkröten, Robben, Delfine oder Seevögel verfangen sich häufig in alten Fischernetzen oder Plastikteilen. Viele Tiere halten Kunststoff zudem irrtümlich für Nahrung und sterben an inneren Verletzungen oder sie ersticken.
Auch kleinere Organismen sind betroffen. Da Plastik nur äußerst langsam zerfällt, bleibt es über Jahrhunderte in der Umwelt bestehen. Statt sich biologisch abzubauen, zerlegt es sich in immer kleinere Bestandteile. Dieses Mikroplastik verteilt sich inzwischen in nahezu allen marinen Lebensräumen – von Küstenregionen bis in die Tiefsee und sogar in arktische Gebiete. (3malE)
Klimawandel verändert Lebensräume und Sauerstoffgehalt der Meere - Neben der Vermüllung beeinflusst auch der Klimawandel die Lebensbedingungen in den Ozeanen erheblich. Die Weltmeere nehmen große Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Dadurch bildet sich Kohlensäure, die zur Versauerung der Meere beiträgt. Dieser Prozess beeinträchtigt unter anderem Korallenriffe sowie kalkhaltige Organismen wie Muscheln und Krebstiere.
Zudem verändert die Erwärmung der Ozeane die Verteilung von Sauerstoff und Nährstoffen im Wasser. In verschiedenen Regionen entstehen sauerstoffarme Zonen, die für viele Arten problematisch sind. Zahlreiche Fischarten und andere Meerestiere wandern deshalb zunehmend in kühlere Gewässer ab. Wissenschaftliche Beobachtungen zeigen, dass sich bestimmte Arten inzwischen deutlich weiter nördlich aufhalten als noch vor einigen Jahrzehnten. Auch Quallen, Plankton sowie verschiedene Vogel- und Schildkrötenarten verschieben ihre Lebensräume zunehmend in Richtung der Polarregionen.
Internationales Hochseeabkommen soll die Meere besser schützen - Als wichtiger Schritt zum Schutz der Weltmeere gilt das Hochseeabkommen der Vereinten Nationen, das am 17. Januar 2026 völkerrechtlich in Kraft getreten ist und einen historischen Meilenstein für den Schutz der Weltmeere markiert. Das Abkommen sieht unter anderem vor, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen. Darüber hinaus sollen wirtschaftliche Projekte und Eingriffe in empfindliche Meeresregionen künftig stärker auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden.
Umweltschutzorganisationen wie der WWF und Greenpeace bewerten das Abkommen als bedeutenden Fortschritt für den Schutz mariner Ökosysteme. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass nun vor allem die konsequente Umsetzung entscheidend sei. Parallel laufen zudem internationale Verhandlungen über ein globales Plastikabkommen, mit dem die weltweite Kunststoffverschmutzung langfristig reduziert werden soll.