Chinas Wirtschaft wächst stark
Baku, 16. April, AZERTAC
Washington und Peking haben sich zuletzt im vom Weißen Haus angezettelten Handelsstreit mit immer höheren Strafzöllen überboten. China hat angekündigt, dem Druck aus den USA nicht nachgeben zu wollen. Die Folgen für den Welthandel sind erheblich. Und auch die chinesische Wirtschaft dürfte schweren Zeiten entgegensteuern. Doch zunächst kommen von dort Zahlen aus der Phase vor der Eskalation im Handelsstreit. Und diese Zahlen sind überraschend gut.
Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt am Mittwoch in Peking mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 5,1 Prozent gerechnet. Auch im Schlussquartal 2024 war die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft um 5,4 Prozent gewachsen. Gemessen am Vorquartal legte sie diesmal um 1,2 Prozent zu. Nach vorläufigen Schätzungen habe das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal bei 31,9 Milliarden Yuan (rund 3,8 Milliarden Euro) gelegen, teilte die nationale Statistikbehörde am Mittwoch mit.
Die chinesische Regierung strebt für das laufende Jahr erneut ein Wachstum von rund fünf Prozent an. Ob das erreicht wird, ist angesichts des Zollkonflikts mit den USA fraglich. Die US-Großbank Goldman Sachs senkte deshalb vorige Woche ihre Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von 4,5 auf 4,0 Prozent.
Die Welthandelsorganisation (WTO) wiederum warnt, dass der Handelsstreit zwischen China und den USA den Warenverkehr zwischen Staaten um bis zu 80 Prozent einschränken und die globale Konjunktur stark beeinträchtigen könne. Die beiden Staaten sind auch die wichtigsten Handelspartner Deutschlands.
Anfang April hat US-Präsident Donald Trump den Zoll auf chinesische Waren bis auf 145 Prozent heraufgesetzt, worauf China mit Gegenzöllen von 125 Prozent auf US-Waren reagierte. Hohe US-Zölle für Elektronikprodukte wie Smartphones und Computer wurden inzwischen vorübergehend wieder fallen gelassen.
Zuletzt legte die Industrieproduktion in der Volksrepublik deutlich zu. Die Unternehmen steigerten ihren Ausstoß im März um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt außerdem mitteilte. Die Prognose von Analysten wurde damit übertroffen. Im Januar/Februar hatte es nur zu einem Plus von 5,9 Prozent gereicht, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Die Einzelhandelsumsätze – ein wichtiger Indikator für die Verbrauchernachfrage – stiegen demnach im Jahresvergleich ebenfalls um 4,6 Prozent. Bislang versucht Chinas Regierung, mit einem Eintauschprogramm alter gegen neue Geräte oder Autos den Konsum wieder anzukurbeln. Die Volksrepublik kämpft schon länger mit schwacher Nachfrage, Druck durch Deflation und einer wabernden Immobilienkrise, die den Wirtschaftsmotor bremst.