WHO schickt eine Million Impfdosen gegen Kinderlähmung nach Gaza
Baku, 27. Juli, AZERTAC
Die Weltgesundheitsorganisation WHO schickt mehr als eine Million Impfdosen gegen das Poliovirus in den Gazastreifen. Damit soll die drohende Ausbreitung des Poliovirus in den palästinensischen Gebieten gestoppt werden, nachdem es in Abwasserproben nachgewiesen worden war. »Bisher wurden zwar noch keine Fälle von Polio festgestellt, aber ohne sofortige Maßnahmen ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus die Tausenden von Kindern erreicht, die ungeschützt sind«, sagte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einem Meinungsbeitrag in der britischen Zeitung »The Guardian«.
Ghebreyesus schrieb weiter, dass Kinder unter fünf Jahren am stärksten von der Viruserkrankung bedroht seien, besonders Säuglinge unter zwei Jahren, da die normalen Impfkampagnen durch den mehr als neun Monate andauernden Krieg unterbrochen worden seien, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Prekäre sanitäre Lage - Poliomyelitis, die hauptsächlich über den fäkal-oralen Weg verbreitet wird, ist ein hochinfektiöses Virus, das in das Nervensystem eindringen und Lähmungen verursachen kann. Die Zahl der Fälle von Kinderlähmung ist seit 1988 dank massiver Impfkampagnen weltweit um 99 Prozent zurückgegangen. Auf der ganzen Welt werden Anstrengungen unternommen, das Virus vollständig auszurotten. Dennoch kommt es bei prekären sanitären Verhältnissen immer wieder zu Ausbrüchen.
Neben der Kinderlähmung meldeten die Vereinten Nationen in der vergangenen Woche einen weit verbreiteten Anstieg der Fallzahlen von Hepatitis A, Ruhr und Gastroenteritis. Die sanitären Bedingungen im Gazastreifen verschlechtern sich laufend, die Abwässer fließen ungeklärt auf die Straßen in der Nähe der Flüchtlingscamps.