Chinas Wirtschaft kämpft mit der Deflation
Baku, 10. April, AZERTAC
Inmitten des sich zuspitzenden Handelsstreits mit den USA kämpft Chinas Wirtschaft weiter mit Deflationsdruck. Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, sank der Verbraucherpreisindex im März um 0,1 Punkte im Vergleich zum selben Vorjahresmonat. Analysten hatten im Vorfeld eine stabile Lage erwartet. Bereits im Februar hatten die Verbraucherpreise stärker als erwartet nachgegeben.
Pekings Statistiker begründeten die Entwicklung damit, dass durch das überraschend warme Wetter mehr frische Lebensmittel auf den Markt gekommen seien. Außerdem habe ein niedriger Ölpreis Wirkung entfaltet. ING-Bank-Analyst Lynn Song schrieb, der Index habe unter dem bestehenden Preisdruck den Sprung über die Nullgrenze nicht geschafft. Zusammen mit einer Eskalation der Zölle ergebe sich ein geeignetes Zeitfenster für die chinesische Volksbank, um die Geldpolitik wieder zu lockern, erklärte er.
Eintauschprogramme für mehr Konsum - Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Zwar führt diese zu einer höheren Kaufkraft. Die große Gefahr einer solchen Entwicklung liegt laut Ökonomen aber darin, dass Firmen dadurch weniger verdienen, was Löhne und Arbeitsplätze bedrohen kann.
China kämpft schon länger mit einer schwachen Inlandsnachfrage. Peking machte die Ankurbelung des Konsums deshalb zur obersten Priorität für dieses Jahr. Derzeit versucht die Regierung etwa mit einem Eintauschprogramm alter gegen neue Geräte oder Autos die Kauflaune zu verbessern. Lynn rechnete allerdings damit, dass die Maßnahme wenig zu einem höheren Preisniveau beitragen dürfte, da diese den Konsum mit Rabatten subventioniert.
Preistreibend könnten sich in den kommenden Wochen allerdings die Zölle auswirken, die Peking als Antwort auf die von den USA aufgerichteten Handelsschranken verhängt hat. Sie sind heute Morgen offiziell in Kraft getreten. Für Einfuhren nach China aus den USA gilt damit nun ein Zusatzzoll von 84 Prozent.