PSG gewinnt erstmals die Champions League
Baku, 1. Juni, AZERTAC
Zu den Feierlichkeiten des 4:0 kam sogar Gianluigi Donnarumma herbeigelaufen, der Torwart. Überall hatten sich Pariser Jubeltrauben gebildet, und Donnarumma tat sein Bestes, jeden Mitspieler einzeln mit seinen riesigen Pranken abzuschlagen.
Es gab vieler solcher Szenen an diesem historischen Finalabend, alle zeigen den veränderten Charakter des neuen Champions-League-Siegers Paris Saint-Germain. Die Botschaft, bis vor Kurzem bei PSG noch verkannt: Fußball ist ein Teamsport, und das beste Team gewinnt.
PSG im Frühjahr 2025 ist vielleicht eine der besten Mannschaften, das je diesen Sport betrieben hat. 5:0 gegen Inter Mailand – so deutlich endete noch nie ein Endspiel im wichtigsten Europapokal, in 70 Jahren nicht. Dabei hatte PSG noch nie zuvor die Champions League gewonnen, als hätte sich der Fußball immer wieder gegen die grenzenlosen Finanzmittel der katarischen Eigentümer aufgebäumt. Der Verliererkomplex ist jetzt Geschichte.
Wenn eine Mannschaft eine solche Sinfonie auf den Rasen legt wie PSG am Samstag in der Münchner Arena, dann geht der Blick automatisch auf den Trainer.
Luis Enrique Martínez ist seit Jahren einer der Besten seines Fachs, 2015 gewann er bereits mit dem FC Barcelona die Champions League, bei der spanischen Nationalelf legte er später die Grundlagen für den EM-Titel im vergangenen Jahr. Doch erst der Abend in Fröttmaning erhob ihn wohl in den Rang eines Trainerstars.
Dazu gehört auch, dass sich das breite Publikum erst bei diesem Superbowl des Fußballs einer tragischen Geschichte bewusst wurde, die das Leben von Luis Enrique und seiner Familie geprägt hat. 2019 starb seine neunjährige Tochter Xana an einem unheilbaren Tumor.
Luis Enrique hat es geschafft, daran nicht zu zerbrechen, sondern Xana als Inspiration mit sich zu tragen. „Sie wird nicht dabei sein, aber sie im Geist bei uns“, hatte er einige Wochen vor dem Finale gesagt und daran erinnert, wie sie nach dem Finalsieg mit Barça 2015 eine Klubfahne in den Rasen des Berliner Finalstadions steckte: „Ich habe den Wunsch, dasselbe mit PSG zu tun.“
„Ich spüre sie immer bei uns“ - Nach dem Schlusspfiff entrollten Pariser Anhänger in der Kurve ein großes Transparent. Es zeigte Xana, wie sie Luis Enrique beim Einpflanzen der PSG-Fahne zusieht. „Das war sehr bewegend“, sagte der Trainer später, betonte aber mehrfach: „Ich brauche keine Champions League, um an meine Tochter zu denken. Ich spüre sie immer.“
Die Geste der Fans zeigt die menschliche Seite des von vielen als Katarer Kunstprodukt verachten Klubs – und das Ausmaß der Verehrung, die Luis Enrique in Paris zuteilwird. Obwohl er nicht einmal Französisch spricht.
Der 55-jährige Nordspanier hat dafür etwas sehr Seltenes, Kostbares geschafft. Er hat eine Vereinskultur verändert, den Klub mit den Anhängern versöhnt.
Der PSG, den er 2023 vorfand, galt als hoffnungsloses Divenensemble. Ein Jahrzehnt lang hatten wechselnde Superstars sich um Elfmeter und Privilegien gestritten, Partys gefeiert und um Verträge gepokert, auf dem Platz die anstrengende Defensivaktion lieber unterlassen, um vorne in Pole-Position für den eigenen Ruhm zu bleiben.