Was kann krebserregend sein?
Baku, 24. Januar, AZERTAC
Krebs kann viele Ursachen haben. Er entsteht im komplexen Zusammenspiel von Lebensstil, Umwelteinflüssen, Vorerkrankungen und unserem täglichen Umfeld. Auch eine genetische Vorbelastung kann eine Rolle spielen, wenn Zellen unkontrolliert wachsen und Tumoren entstehen. Manchmal entsteht Krebs jedoch einfach ohne Grund - durch zufällige Fehler bei der Zellteilung. Daher kann man das Risiko, an Krebs zu erkranken, nicht vollständig ausschalten. Durch einen gesunden Lebensstil kann man jedoch das eigene Risiko deutlich verringern.
Die Wissenschaft hat noch keine eindeutige Antwort darauf, warum Krebs entsteht. Es gibt Patienten, die nie geraucht haben, aber trotzdem an Lungenkrebs erkrankt sind. Andere haben hingegen schon jahrzehntelang viel geraucht, sind aber zum Glück bei bester Gesundheit geblieben.
Manchmal nutzen wir solche Geschichten, um ungesunde Gewohnheiten zu rechtfertigen. Manchmal beruhigen wir damit unsere Angst vor einer Krebserkrankung. Tatsächlich spielt auch der Zufall eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Krebsentstehung. Wer an Krebs erkrankt, ist daher nicht „einfach selbst schuld“ - die Ursachen einer Erkrankung sind ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Einflüsse.
Sicher ist jedoch auch: Es gibt Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, nachweisbar erhöhen.
Bis zu jede dritte Krebserkrankung lässt sich auf ungünstige Ernährung und zu wenig Bewegung zurückführen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Übergewicht und einige Lebensmittel seien entscheidende Faktoren. Wein, Bier, Gin: Jeglicher Alkohol kann Krebs erzeugen. Auch Wurst ist sicher krebserregend, rotes Fleisch wahrscheinlich - das hat die Internationale Agentur für Krebsforschung festgestellt. Was bedeutet das konkret?
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein. Also doch Vegetarier werden? Die wichtigsten Fakten im Überblick.
Was bedeuten die Einstufungen der IARC? - Die IARC analysiert, was bei Menschen Krebs auslösen kann. Dafür teilt die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählende Behörde das Untersuchte in fünf Kategorien ein: „krebserregend“ (1), „wahrscheinlich krebserregend“ (2A), „möglicherweise krebserregend“ (2B), „nicht einzustufen“ (3), „nicht krebserregend“ (4). Für die Beurteilung von rotem beziehungsweise verarbeitetem Fleisch hat eine Expertengruppe mehr als 800 Studien ausgewertet.
Verarbeitetes Fleisch ordnete sie Gruppe 1 zu, in der sich unter anderem Tabakrauch, Asbest, UV-Strahlung und alkoholische Getränke befinden. Rotes Fleisch steht jetzt in Kategorie 2A, zusammen mit dem Herbizid Glyphosat, zum Doping eingesetzten anabolen Steroiden und dem Rauch von Kaminfeuern.
Ob eine Substanz in Gruppe 1, 2A oder 2B landet, sagt nichts darüber aus, wie stark sie das Krebsrisiko erhöht. Sondern nur, wie gut belegt ist, dass sie Krebs verursachen kann. Es bedeutet also nicht, dass die Stoffe in einer Gruppe gleich gefährlich sind.
Die IARC schreibt dazu: Während pro Jahr etwa eine Million Menschen an Lungenkrebs sterben, der durch Rauchen verursacht wurde, kommen schätzungsweise 34.000 durch einen Krebs ums Leben, der auf den Verzehr von verarbeitetem Fleisch zurückzuführen ist.
Unter verarbeitetem Fleisch versteht die IARC gepökelte, geräucherte oder anders haltbar gemachte oder geschmacklich veränderte Fleischprodukte. Neben Wurst zählen dazu zum Beispiel Corned Beef, Kasseler oder auf Fleisch basierende Saucen. Geflügelwurst fällt ebenso in diese Kategorie wie verarbeitete Innereien.
Rotes Fleisch umfasst das von Säugetieren stammende Muskelfleisch, allen voran Schwein und Rind. Aber eben nicht Geflügel.
Die IARC sieht es als sicher nachgewiesen an, dass der Verzehr von verarbeitetem Fleisch Darmkrebs verursachen kann. Außerdem wurde ein Zusammenhang mit Magenkrebs beobachtet, den sie jedoch nicht als sicher belegt einstuft. Konsum von rotem Fleisch kann wahrscheinlich - nicht sicher - Darmkrebs auslösen und wird mit Tumoren in der Bauchspeicheldrüse oder Prostata in Verbindung gebracht.
Pro 50 Gramm verarbeitetem Fleisch, die jemand an einem Tag verzehrt, steige das relative Darmkrebsrisiko um 18 Prozent, berichtet die IARC. Beim roten Fleisch hätten 100 Gramm einen ähnlich großen Effekt - wenn es denn tatsächlich krebserregend sein sollte.
Ernährungsexperten raten schon länger dazu, beim roten Fleisch zu sparen. Weißes Fleisch (Geflügel) ist unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten als rotes Fleisch (Rind, Schwein). Pro Woche werden nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischerzeugnisse empfohlen, also im Mittel nicht mehr als 70 Gramm pro Tag.